Die wahre Funktionsweise von ETFs. Risiken & Chancen erkennen!

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Exchange Traded Funds (ETFs) sind eine beliebte Anlagemöglichkeit für Investoren weltweit. Sie bieten eine einfache Möglichkeit, ein diversifiziertes Portfolio zu halten, ohne die Notwendigkeit, einzelne Aktien zu kaufen. Aber wie funktionieren ETFs wirklich? In diesem Artikel werden wir die Funktionsweise sowie den Mechanismen hinter der Auflage neuer ETFs, die Schlüsselbegriffe wie Creation Process, Redemption Process, Authorized Participant, Market Maker, Cash Creation, SWAP, u.v.m. erläutern.

Die Funktionsweise von ETFs ist allgemein eine klare Sache. Dass der Neuauflage und Emission von ETF-Anteilen jedoch ein aufwändiger Prozess vorausgeht, ist vielen nicht bekannt. Die eigentliche Funktionsweise ist dann nämlich anhängig von der ursprünglichen technischen Ausgestaltung des ETFs. Wir erklären den Prozess der Auflage und die Funktionsweise im Detail.

Funktionsweise eines ETFs: Der Creation-Process im Detail

Der Creation Process ist der Mechanismus, durch den neue ETF-Anteile geschaffen werden. Dieser Prozess umfasst mehrere Akteure: den Authorized Participant (AP), den Indexanbieter, die Börse und den Market Maker. Hier ist eine detaillierte Übersicht, wie jeder Akteur beteiligt ist und welche Schritte unternommen werden.

1. Rolle des Authorized Participant (AP): Der Authorized Participant ist ein großes Finanzinstitut, oft eine Investmentbank oder ein Broker-Dealer, das eine Vereinbarung mit dem ETF-Anbieter hat, um ETF-Anteile zu erstellen und zurückzunehmen. Der AP spielt eine zentrale Rolle im Creation Process:

    • Erstellung des Creation Baskets: Der AP stellt einen sogenannten Creation Basket zusammen. Dieser Basket enthält alle oder eine repräsentative Auswahl der Wertpapiere, die der ETF nachbildet. Die genaue Zusammensetzung des Baskets wird vom ETF-Anbieter basierend auf dem zugrunde liegenden Index bereitgestellt.
    • Übermittlung an den ETF-Anbieter: Der AP übermittelt diesen Basket von Wertpapieren an den ETF-Anbieter. Dies kann entweder durch die physische Übergabe der Wertpapiere (Creation in kind) oder durch die Zahlung eines entsprechenden Geldbetrags (Cash Creation) erfolgen.
    • Erhalt von ETF-Anteilen: Im Gegenzug für die Übergabe des Baskets erhält der AP eine entsprechende Anzahl neuer ETF-Anteile, die er dann an der Börse verkaufen oder an institutionelle Investoren weitergeben kann.

2. Rolle des Indexanbieters: Der Indexanbieter ist das Unternehmen, das den Index erstellt und verwaltet, den der ETF nachbilden soll. Zu den Aufgaben des Indexanbieters gehören:

    • Bereitstellung der Indexzusammensetzung: Der Indexanbieter definiert die Zusammensetzung des Index und aktualisiert regelmäßig die Gewichtungen und Bestandteile, um sicherzustellen, dass der Index die gewünschte Marktentwicklung widerspiegelt.
    • Kommunikation mit dem ETF-Anbieter: Der Indexanbieter liefert dem ETF-Anbieter und damit auch dem AP die aktuelle Zusammensetzung des Index, damit der Creation Basket entsprechend zusammengestellt werden kann.

3. Rolle der Börse: Die Börse ist der Handelsplatz, an dem die ETF-Anteile öffentlich gehandelt werden. Ihre Hauptaufgaben im Creation Process sind:

    • Notierung der ETF-Anteile: Die Börse stellt sicher, dass die neuen ETF-Anteile ordnungsgemäß notiert werden, sodass sie von Investoren gekauft und verkauft werden können.
    • Handelsüberwachung: Die Börse überwacht den Handel mit ETF-Anteilen, um sicherzustellen, dass er fair und transparent abläuft. Sie stellt auch sicher, dass genügend Liquidität vorhanden ist, indem sie Market Maker unterstützt.

4. Rolle des Market Makers: Market Maker sind spezielle Teilnehmer, oft dieselben Institutionen wie die APs, die eine wichtige Rolle im Handel von ETF-Anteilen spielen:

    • Bereitstellung von Liquidität: Market Maker stellen kontinuierlich Kauf- und Verkaufsangebote für ETF-Anteile bereit, um die Liquidität zu gewährleisten. Dies hilft, die Geld-Brief-Spanne (den Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis) eng zu halten.
    • Stabilisierung des Preises: Durch ihre Handelsaktivitäten helfen Market Maker sicherzustellen, dass der Marktpreis des ETF nahe am Nettoinventarwert (NAV) bleibt, was den Creation und Redemption Process unterstützt.

 

Detaillierte Schritte des Creation Process

  1. Initiale Entscheidung: Ein institutioneller Investor entscheidet, dass er eine große Anzahl von ETF-Anteilen benötigt. Er wendet sich an einen AP, um diese Anteile zu erstellen.
  2. Erstellung des Creation Baskets: Der AP sammelt die Wertpapiere, die dem zugrunde liegenden Index entsprechen, entsprechend der vom Indexanbieter bereitgestellten Zusammensetzung.
  3. Übermittlung an den ETF-Anbieter: Der AP übergibt den Basket an den ETF-Anbieter. Bei Creation in kind erfolgt die Übergabe physisch, während bei Cash Creation der entsprechende Geldbetrag überwiesen wird.
  4. Ausgabe von ETF-Anteilen: Der ETF-Anbieter prüft den Basket und gibt dann die neuen ETF-Anteile an den AP aus.
  5. Handel an der Börse: Der AP kann die neuen ETF-Anteile an der Börse verkaufen, wo Market Maker für die nötige Liquidität sorgen und sicherstellen, dass der Preis stabil bleibt.
Schema der Auflegung ETF
Der Prozess der Auflegung eines ETF

Unterschiede in der Nachbildung des Index

Vollständige Replikation:
Bei der vollständigen Replikation kauft der ETF tatsächlich alle Wertpapiere, die im zugrunde liegenden Index enthalten sind. Diese Methode stellt sicher, dass die Wertentwicklung des ETFs sehr nahe an der des Index liegt. Ein Vorteil dieser Methode ist die hohe Genauigkeit bei der Nachbildung des Index, was Tracking Errors minimiert. Allerdings kann die vollständige Replikation bei Indizes mit einer großen Anzahl von Bestandteilen oder bei illiquiden Wertpapieren teuer und schwierig umzusetzen sein.

Optimierte Replikation:
Die optimierte Replikation, auch als Sampling bekannt, ist eine Methode, bei der der ETF nur eine Auswahl der im Index enthaltenen Wertpapiere kauft. Diese Auswahl wird so getroffen, dass sie die wesentlichen Merkmale und die Wertentwicklung des Index möglichst genau widerspiegelt. Diese Methode kann Kosten und Handelsaufwände reduzieren, insbesondere bei großen und breit gefächerten Indizes. Allerdings kann es bei der optimierten Replikation zu einem höheren Tracking Error kommen, da nicht alle Bestandteile des Index im Portfolio enthalten sind.

Synthetische (SWAP) Replikation:
Synthetische ETFs verwenden Finanzderivate wie Swaps, um die Wertentwicklung des Index zu replizieren. In einer SWAP-Vereinbarung tauscht der ETF die Rendite eines Portfolios von Wertpapieren gegen die Rendite des Index. Diese Methode kann besonders kosteneffizient sein und ist nützlich für schwer zugängliche oder illiquide Märkte. Ein großer Vorteil synthetischer ETFs ist, dass sie die Tracking Error minimieren und eine genaue Nachbildung des Index ermöglichen können. Allerdings sind sie mit einem höheren Kontrahentenrisiko verbunden, da sie auf die Erfüllung der Verpflichtungen durch die Derivatpartner angewiesen sind. Darüber hinaus können regulatorische und operationelle Risiken bestehen, die bei traditionellen ETFs nicht vorhanden sind.

Bild einer Tabelle der Replikationsmethoden
Vor- und Nachteile der Replikationsmethoden

 Zusammenfassung

Auch wenn die Oberfläche meist simpel aussieht, sind ETFs komplexe Finanzinstrumente, die durch eine sorgfältig strukturierte Kombination von Prozessen und Akteuren funktionieren. Der Creation Process und der Redemption Process sorgen für die notwendige Flexibilität und Liquidität, während Authorized Participants und Market Maker den Markt stabilisieren. Die Wahl zwischen vollständiger Replikation, optimierter Replikation und synthetischen Nachbildungsstrategien hängt von den Zielen und Präferenzen der Investoren ab. Um anhand eigener Risikoverträglichkeit sowie dem Verständnis hierfür die richtige Wahl des passenden ETFs treffen zu können, ist ein Grundverständnis über die Funktionsweise und die Replikationsmethoden ratsam.

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