Serviceentgelt – Vergütungsmodell der Zukunft?

Das Serviceentgelt-Modell ist nicht nur eine logische Konsequenz aus einem möglichen Provisionverbot, sondern vor allem ein Schritt in eine transparentere Vergütung von Anlageberatern. Es verspricht eine transparente, leistungsorientierte Bezahlung, die sowohl für Berater als auch für Kunden erhebliche Vorteile bietet. Mit dem Wandel der Finanzberatung hin zu mehr Kundenorientierung gewinnt dieses Modell an Bedeutung.

In der Welt der Finanzberatung herrscht ein stetiger Wandel, der aktuell vor allem durch die Diskussionen um das Serviceentgelt geprägt wird. Besonders in den Medien wird das Thema der Provisionsmodelle und deren mögliche Beschränkungen intensiv diskutiert. Ein wesentlicher Aspekt dieser Debatte ist das sogenannte „Execution Only“, also die Ausführung von Finanztransaktionen ohne Beratung, für das ein Teilprovisionsverbot in Aussicht gestellt wird. Während bei der klassischen Anlageberatung, bei der, wie der Name sagt, eine ausführliche Beratung im Zentrum der Dienstleistung steht, Provisionszahlungen weiterhin erlaubt bleiben sollen, rückt das Modell des Serviceentgelts immer stärker in den Fokus.

Im Kern geht es bei der Einführung eines möglichen Provisionsverbots darum, ein direktes und transparentes Vergütungssystem zu schaffen, das sich am Wohl des Kunden orientiert. Verbraucherschützer und viele Berater sehen in der Abkehr von provisionsbasierten Modellen einen richtigen und wichtigen Schritt. Laut Alexander Lehmann von der Fondskonzept hat sich der Anteil der Depots, die mit einem Serviceentgelt versehen sind, in den letzten fünf Jahren von 25% auf ein Drittel erhöht.

Diagramm des Ursprungs einzelner Kostenpositionen
Ein Serviceentgelt soll die Rückvergütung (auch "Bestandsprovision") sowie einen Teil der Abschlussprovisionen ersetzen. Die Ausgestaltung des Serviceentgeltes obliegt dem Finanzdienstleister.

Ein weiterer Diskussionspunkt ist das vorgeschlagene „Reviewverfahren“, das vor der Einführung eines Provisionsverbots stehen könnte. Hierbei soll ein Referenzwert, der sich an ETFs orientiert, festlegen, ob eine zusätzliche vom Berater vereinnahmte Servicegebühr angemessen ist. Diese Betrachtung, die primär Kosten und Performance in den Vordergrund stellt, könnte zu einem indirekten Verbot führen und dabei einen wichtigen Punkt, die individuelle Risikoneigungen der Kunden, vernachlässigen. Es wird angenommen, dass dies vor allem passive Fonds begünstigen könnte.

Trotz der positiven Aspekte des Serviceentgelts gibt es auch kritische Stimmen. So ist zum Beispiel in der Gewerbeordnung bisher nichts Konkretes zum Thema Serviceentgelt definiert, was zu Planungsunsicherheiten auf Seiten der Berater und somit auch auf Kundenseite führt. Ein anderer Aspekt ist die steuerliche Seite: Serviceentgelte können steuerlich nicht vom Kunden abgesetzt werden und auch eine Rückvergütung der Kick-Back’s an die Kunden muss vom Kunden versteuert werden. Beim letzten Punkt können sog. Clean-Share-Tranchen Aushilfe schaffen. Bei diesen Fonds verzichtet der Berater im Vorhinein auf eine Bestandsprovision und muss diese auch nicht an den Kunden weiterleiten.

Was die Höhe des Serviceentgelts angeht wird sich der Markt mit zunehmender Konkurrenz auf einen Durchschnitt einpendeln. Je nach Qualität und Umfang der Beratung sind hierbei jedoch verschiedene Höhen und Modelle nachvollziehbar. Aktuell liegt der Marktdurchschnitt zwischen 0,7 und 0,8 Prozent bei denjenigen Depots, bei welchen dem Berater zusätzlich noch die Kick-Back’s von ca. 0,5 Prozent zufließen. Alexander Lehman hebt hervor, dass drei Viertel der Depots im Pool der FondsKonzept ein Netto-Serviceentgelt zwischen 0,5 und 1,0 Prozent aufweisen, wobei die Mehrheit bei einem Brutto von 1 Prozent (netto 0,85 Prozent) liegt. Andere Finanzdienstleister wie Plansecur oder  SchrammFinanz sprechen sogar von einem Serviceentgelt von 0,85 bis 1,35 Prozent.

Fazit:

Ein fair gestaltetes Serviceentgelt, das Ausgabeaufschläge von 3 bis 5 Prozent und die Rückvergütung der Bestandsprovision von 0,5 Prozent ersetzt, könnte somit zwischen 0,8 und 1,2 Prozent liegen. Dieses Modell wird nicht nur als fair für den Kunden, sondern auch für den Berater gesehen. Es fördert eine transparente Kostenstruktur und trägt dazu bei, dass der Fokus stärker auf der Qualität der Beratung und den Bedürfnissen des Kunden liegt. In einem Markt, der sich zunehmend von versteckten Kosten und undurchsichtigen Provisionsmodellen abwendet, könnte das Serviceentgelt somit ein zukunftsweisendes Modell darstellen.

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