Investitionsentscheidungen werden von einer Vielzahl von psychologischen Faktoren beeinflusst, die oft unbewusst auf das Verhalten der Anleger wirken. Diese Faktoren können zu systematischen Verzerrungen führen, die das Anlageverhalten und damit die Performance des Portfolios nachhaltig beeinflussen. Neben psychologischen Faktoren, welche die Wahrnehmung neuer Informationen sowie die Verarbeitung dieser Informationen in unserem Gehirn beeinflussen, gibt es insbesondere bei der finalen Entscheidung über die Umsetzung Faktoren, welche unbewusst wirken. Diese wollen wir im Weitere betrachten.
Der Dispositionseffekt
Der Dispositionseffekt beschreibt die Tendenz von Anlegern, Gewinne zu schnell zu realisieren und Verluste zu lange auszusitzen. Diese Verhaltensweise resultiert aus der unterschiedlichen Risikobereitschaft im Gewinn- und Verlustbereich. Gewinne werden frühzeitig mitgenommen, um das positive Gefühl eines erfolgreichen Investments zu genießen, während Verluste aus emotionalen Gründen länger gehalten werden, in der Hoffnung, dass sich der Kurs doch noch erholen könnte . Laut einer Studie des Finanzinstituts UBS aus dem Jahr 2008 beträgt die durchschnittliche Haltedauer von Verliereraktien 124 Tage, während Gewinneraktien bereits nach 104 Tagen verkauft werden . Diese unterschiedlichen Haltefristen erhöhen die Downside im Portfolio und senken gleichzeitig das mögliche Upside. Ein weiteres Beispiel verdeutlicht, dass Privatanleger Gewinneraktien zu früh und Verliereraktien zu spät verkaufen, was in allen Monaten außer dem Dezember nachgewiesen wurde. Der Dispositionseffekt kann die Marktpreisbildung beeinflussen, indem er Kurssteigerungen verlangsamt und Kursverluste verstärkt. Hierfür sind die wenigen zum Verkauf stehenden Aktien im Falle roter Zahlen und die vermehrt verkauften Aktien im Falle von Gewinnen verantwortlich, die klassisch à la Marktpreisbildung Einfluss nehmen.
Der Besitztums-Effekt
Der Besitztums-Effekt, auch bekannt als Endowment-Effekt, beschreibt die Neigung von Menschen, den Wert eines Gutes, das sie besitzen, höher einzuschätzen als den Wert desselben Gutes, wenn sie es nicht besitzen . Dies führt dazu, dass Anleger ihre Besitztümer nur ungern verkaufen, selbst wenn der Marktpreis attraktiv ist. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, dass Erben von Immobilien oftmals höhere Verkaufspreise verlangen, weil sie emotionale Werte in den Besitz einbeziehen, die objektiv keinen Einfluss auf den Marktwert haben. Diese irrationale Bewertung kann dazu führen, dass Investoren attraktive Verkaufsangebote ablehnen und somit potenzielle Gewinne verpassen. Der Besitztums-Effekt ist besonders stark ausgeprägt, wenn der Besitz durch eine Erbschaft oder Schenkung erworben wurde. Eine Umfrage ergab, dass 96% der Teilnehmer an geerbten Aktienpaketen festhalten, obwohl rationale Gründe für einen Verkauf vorlagen. Dies zeigt, wie stark emotionale Faktoren die Entscheidungsfindung beeinflussen können. Ein weiteres Beispiel in unserer Universität zeigte gleiches: Der Professor fragte die eine Hälfte des Hörsaals, bestehend aus über 100 Studenten, wie viel Sie bereit wären für eine diese Tasse zu zahlen. Er hielt eine „Universität Potsdam“-Tasse hoch. Die Studenten sollten Ihr Angebot auf einen Zettel schreiben. Danach fragte er die andere Hälfte, für wieviel Euro Sie diese Tasse, „würden Sie sie besitzen“ an einen Studenten von der Käuferseite verkaufen würden. Das Resultat war, dass der Preis im Schnitt deutlich abweichte. Der Besitz der Tasse wäre nur für einen signifikant höheren Preis aufgegeben, als die Käufer durchschnittlich bereit gewesen wären zu zahlen.
Der übermäßige Optimismus
Übermäßiger Optimismus beschreibt die Tendenz von Anlegern, positive Marktentwicklungen zu überschätzen und negative Entwicklungen zu unterschätzen. Dieser Optimismus führt dazu, dass Anleger Risiken eingehen, die sie unter neutraler Betrachtung möglicherweise vermeiden würden. Beispielsweise glauben optimistische Anleger oft, dass negative Ereignisse wie Insolvenzen sie selbst nicht treffen werden, sondern nur andere Marktteilnehmer. Dies kann dazu führen, dass sie ihr Portfolio nicht ausreichend diversifizieren und zu stark auf einzelne Aktien setzen. Eine Studie zeigt, dass optimistische Anleger dazu neigen, verstärkt in die Aktien ihres eigenen Arbeitgebers zu investieren, was das Risiko des Portfolios erheblich erhöht . Die optimistische Grundhaltung führt auch dazu, dass Anleger glauben, sie seien besser informiert als andere und könnten den Markt überdurchschnittlich schlagen. Diese im 2. Teil unserer Reihe beschriebene Selbstüberschätzung knüpft hier an und fördert häufigeres Handeln und erhöht damit die Transaktionskosten, was langfristig die Performance des Portfolios negativ beeinflussen kann.
Studien fanden ebenfalls heraus, dass optimistische Anleger selbst im Falle negativer Ereignisse in Ihrem Anlageportfolio och immer die Kontrolle zu haben. Dies führte laut den Untersuchungen zu einer zu späten Einsicht und Kurswechsel. Optimistische Anleger liefen länger mit den fallenden Kursen mit.
Fazit
Insbesondere beim Handel und der aktiven Umsetzung von Investitionsüberlegungen neigen Anleger zu einer teils irrationalen Entscheidung. Der ständige Handel von Wertpapieren ist durch die immer wiederkehrende typische Reihenfolge: Marktinformation wahrnehmen -> Information verarbeiten und bewerten -> Anlageentscheidung treffen gekennzeichet. An allen Punkten dieser Kette tangieren eine Vielzahl von unbewussten psychologischen Faktoren unser Denken, welche meist nicht ertragsbringender Natur sind. Aus diesem Grund sollten sich Anleger umso mehr auf einfache Strategien und klare Investitionsrichtlinien verlassen. Beispielsweise das regelmäßige Nachkaufen von den selben Anteilen (je regelmäßiger, desto besser (bestenfalls mtl.))In unserem vierten und letzten Teil beschäftigen wir uns abschließend mit zusätzlichen Faktoren, wie dem Verhalten unter Stress oder dem Anlegerunterschieden zwischen Mann und Frau.
Blogbeitrag: Anlegerpsychologie 4/4


