Emerging Markets – China Risiko kontrollieren

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Die Frage, ob Investoren in einen marktneutralen Schwellenländerfonds (EM-Fonds) oder in einen EM Fonds Ex China plus einen zusätzlich spezialisierten CHINA Fonds investieren sollten, wird zunehmend diskutiert. In diesem Artikel werden die Vor- und Nachteile beider Ansätze beleuchtet und wichtige Überlegungen dargestellt, um Anlegern bei der Entscheidungsfindung zu helfen.

In den letzten Jahren hat die Frage, wie Investoren in chinesische Aktien investieren sollten, zunehmend an Bedeutung gewonnen. Da China einen erheblichen Teil der Schwellenmarktindizes (Emerging Markets, EM) ausmacht, überlegen Investoren, ob sie es weiterhin als Teil einer globalen EM-Aktienallokation einbeziehen oder eine eigenständige Allokation für China vornehmen sollten. In diesem Artikel werden die wichtigsten Überlegungen untersucht, die Investoren bei der Entscheidung über ihren Ansatz zur Investition in chinesische Aktien berücksichtigen müssen. Nicht untersucht wird hierbei die qualitative Frage, grundsätzlich in China investiert zu sein.

Die treibenden Kräfte hinter der Debatte

Trotz der jüngsten Marktschwächen bleibt China die größte Komponente der EM-Benchmark-Indizes und macht im März 2024 etwa 25 % des MSCI Emerging Markets Index aus. Diese Dominanz hat zu einer wachsenden Debatte geführt, ob China in Anlageportfolios separat behandelt werden sollte. Die Haupttreiber dieser Debatte sind:

  1. Chinas Größe und Markteinfluss: Angesichts des großen Anteils Chinas an den EM-Indizes bevorzugen einige Investoren, einen Spezialmanager für China zu engagieren, während ihr breiterer EM-Manager sich auf den Rest des EM-Universums konzentriert.

  2. Kontrolle und Risikomanagement: Vermögensverwalter möchten möglicherweise ihre China-Exposition und das damit verbundene Risiko unabhängig verwalten, insbesondere angesichts des einzigartigen wirtschaftlichen, politischen und regulatorischen Umfelds in China.

Vor- und Nachteile verschiedener Ansätze

Sowohl die Einbeziehung Chinas in eine globale EM-Allokation als auch die Wahl einer eigenständigen China-Investition haben ihre Vor- und Nachteile:

  • Einbeziehung Chinas in die EM-Allokation:

    • Vorteile: Vereinfachung des Investitionsprozesses durch eine einzige Allokationsentscheidung, mögliche Skaleneffekte und einheitliches Risikomanagement über EM-Aktien hinweg.
    • Nachteile: Begrenzte Kontrolle und Sichtbarkeit über die spezifische China-Investition, Möglichkeit, einzigartige Investitionsmöglichkeiten innerhalb Chinas zu übersehen.
  • Eigenständige China-Allokation:

    • Vorteile: Größere Kontrolle und Sichtbarkeit über China-Investitionen, Möglichkeit, die Expertise eines Spezialmanagers zu nutzen, um vielfältige Chancen in China zu nutzen.
    • Nachteile: Zusätzliche Such- und Überwachungsprozesse, möglicherweise höhere Kosten aufgrund fehlender Skaleneffekte und getrenntes Risikomanagement, das weniger effizient sein könnte.
Der Vergleich der Ansätze zeigt, dass Vor- und Nachteile persönlich abgewogen werden müssen.

Historischer Kontext und Vergleiche

Die aktuelle Situation mit chinesischen Aktien erinnert an die Markterfahrungen Japans. In den 1990er Jahren war Japan der dominierende Markt in den Asien-Pazifik-Indizes. Als sich andere asiatische Märkte öffneten, wurden Investitionsprodukte, die sich auf Asien ohne Japan konzentrierten, zunehmend beliebt. Heute zeichnet sich ein ähnlicher Trend mit Asien-ex-China-Strategien ab.

Charakteristika des chinesischen Aktienmarktes

Der chinesische Aktienmarkt hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich entwickelt, insbesondere durch die Öffnung für ausländische Investoren. Die Einführung von Stock Connect im Jahr 2014, das die Börsen von Hongkong mit Shanghai und später Shenzhen verband, war ein entscheidender Moment. Zudem hat die Aufnahme von A-Aktien in den MSCI Emerging Markets Index ab 2018 China weiter in die globalen Finanzmärkte integriert.

Wichtige Merkmale des chinesischen Aktienmarktes umfassen:

  • Vielfältige Aktienklassen: Dazu gehören A-Aktien, B-Aktien, H-Aktien, N-Aktien, P-Chips, Red-Chips und S-Chips, jede mit spezifischen Listing- und Handelsattributen.
  • Marktgröße und Liquidität: Shanghai und Shenzhen gehören zu den größten Börsen weltweit mit einer beträchtlichen Anzahl gelisteter Unternehmen und hoher Liquidität.
  • Dominanz von Privatanlegern: Ein signifikanter Teil des Marktvolumens wird von Privatanlegern getrieben, was zu potenziellen Marktineffizienzen und Chancen für institutionelle Investoren führt, Alpha zu generieren.

Regulatorisches Umfeld und Nachhaltigkeit

In den letzten Jahren gab es eine Welle regulatorischer Aktivitäten in China, die darauf abzielen, Ungleichheiten zu bekämpfen, das rasante Tempo der technologischen Innovation zu steuern und die Unternehmensaktivitäten mit den strategischen Zielen des Staates in Einklang zu bringen. Diese regulatorische Landschaft schafft Unsicherheit, spiegelt aber auch Chinas Ambitionen wider, bis 2030 den Höhepunkt der Kohlenstoffemissionen und bis 2060 Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Der Trend zu verstärkten ESG (Environmental, Social, and Governance)-Berichtspflichten ist ebenfalls bemerkenswert, wobei immer mehr Unternehmen CSR/ESG-Berichte veröffentlichen, was den Investoren hilft, ESG-Überlegungen in ihre Strategien einzubeziehen.

Risikosteuerung

Ein entscheidender Punkt ist die Chance der Kontrolle des Risikos. Long Only Investoren mit Marktneutraler Haltung würden hier keinerlei Abweichung von der langfristigen Anlagestrategie vornehmen. Eine aktive Entscheidung für die Trennung von Einzelrisiken kann zu einem bewussteren Umgang mit seinen Investments führen. Darüber hinaus ermöglicht die Trennung über zwei Produkte einen Zwischenweg zwischen aktiven und passiven Ansätzen. Insbesondere der chinesische Markt unterliegt aufgrund seiner regulatorischen und technischen Reife einer gewissen Informationseffizient. Hier könnte ein ETF ein sinnvolles Vehicle sein, hingegen bei anderen EM eine dünnere Informationsdichte vorliegt und aktives Management einen Mehrwert bieten kann.

Wertentwicklung von 3 EM - China Fonds
Wertentwicklung von iShares MSCI EM UCITS ETF USD (Acc); Invesco Emerging Markets ex-China Equity Fund Z-Acc; Robeco Chinese Equities D EUR

Fazit: Eine fundierte Entscheidung treffen

Für Investoren hängt die Wahl zwischen der Einbeziehung Chinas in eine globale EM-Allokation und einer eigenständigen China-Allokation von ihren spezifischen Zielen, Ressourcen und Ansichten über das Marktpotenzial und die Risiken Chinas ab. Auch wenn beide Ansätze ihre jeweilige Berechtigung haben, so empfiehlt es sich sich an den eigenen Fähigkeiten und Ambitionen als Investor zu orientieren. Unerfahrene Privatanleger sind mit einer Allzwecklösung sicherlich besser aufgestellt, hingegen professionellere Anleger von einer Trennung der Märkte profitieren können. Nicht rein von der Ertragsseite, sondern insbesondere von der steileren Lernkurve, welche meist komplexeren Portfolios folgt.

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