Geldmarktfonds: Bessere Alternative zum Tagesgeld
Das Comeback der Anlageklasse Geldmarktfonds markiert einen Wendepunkt: Seit Juli 2022 hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagenzins von -0,5% auf 3,0% angehoben, ein Anstieg um 350 Basispunkte. Gleichzeitig erreichte der bedeutsame Drei-Monats-Euribor etwa 3,2%. Dieser „Euro Inter Bank Offered Rate“ bildet die Zinsen des Geld-(ver)leihens zwischen den Banken ab. Dieser Trotz dieser Entwicklung halten sich Banken mit der Weitergabe der höheren Zinsen an Kunden zurück. Viele Tagesgeldkonten bieten derzeit nur 0,6–1,0% Zinsen – deutlich unter dem Geldmarktniveau. Auch wenn Neukunden oft höhere Zinsen erhalten, sind diese meist zeitlich begrenzt. Durch die Zinsdifferenz zwischen Einlagensatz und Geldmarktzins erzielen Banken nahezu risikofreie Gewinne. An diesem Punkt bieten Geldmarktfonds eine direkte Partizipation am Zinsumfeld und somit eine attraktive laufende Verzinsung von rund 3,0-3,3 % p.a., deutlich über den Tagesgeldzinsen, mit Aussicht auf weitere Steigerungen.
Allzeithoch an Zuflüssen
Die Attraktivität von Geldmarktfonds hat seit Herbst 2022 deutlich zugenommen, was sich in spürbaren Kapitalzuflüssen zeigt. Annika Milz, Leiterin Institutionelle Kunden bei Fidelity International in Deutschland, betont: „Geldmarktfonds sind derzeit besonders vorteilhaft, bieten sie doch ein Cash-ähnliches Renditepotenzial mit hoher Liquidität und effektiven Sicherheitsmechanismen gegen Marktvolatilität. Zudem sind die Renditen am vorderen Ende der Zinskurve momentan so attraktiv wie lange nicht.“ Diese Fonds investieren in kurzfristige Zinstitel, meist mit einer Laufzeit unter einem Jahr, und ersetzen auslaufende Papiere kontinuierlich durch neue, um sich flexibel an die dynamischen Marktbedingungen anzupassen. Diese Strategie ist besonders in Zeiten steigender Zinsen, wie seit der Zinswende im Juli des Vorjahres, von großem Vorteil.
Die jüngsten Schwankungen am US-Bankenmarkt haben das Bewusstsein für das Risiko von Bankkonten, insbesondere bei Beträgen über der gesetzlichen Einlagensicherungsgrenze von 100.000 Euro, geschärft. Geldmarktfonds bieten hier eine teilweise Lösung: Aktiv verwaltete Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs, die als Sondervermögen gelten, sind vor einer Einbeziehung in die Konkursmasse des Emittenten geschützt. Jedoch beinhalten auch diese häufig festverzinsliche Schuldverschreibungen von Banken, die bei einer Bankenkrise betroffen sein könnten und daher nicht vollständig abgesichert sind. Angesichts dieser Umstände hebt Fidelity-Expertin Milz die Bedeutung einer gründlichen Analyse hervor. Sie betont jedoch gleichzeitig, dass aktuelle Anzeichen für eine systemische Bankenkrise im Euroraum momentan gering sind.
Worauf kommt es an?
Bei der Auswahl des richtigen Geldmarktfonds sollten Investoren verschiedene Aspekte berücksichtigen.
Für kurzfristiges Anlegen empfiehlt es sich, ausschließlich in Euro-basierte Geldmarktfonds zu investieren, anstatt in solche, die in US-Dollar oder andere Währungen investieren. Hier könnten insbesondere die Divergenzen der Zentralbanken im Umgang mit einer Rezession und Zinssenkungen für ein ungeahntes Währungsrisiko sorgen.
Ein weiterer entscheidender Faktor sind die anfallenden Gebühren, die vor allem über längere Zeiträume erheblichen Einfluss auf die Rendite haben können. Bei aktiv verwalteten Fonds ist es ratsam, auf den Ausgabeaufschlag zu achten und idealerweise Fonds zu wählen, die ohne solche Zusatzkosten gehandelt werden können. Auch bei den jährlichen Verwaltungsgebühren ist auf ein geringes Niveau zu achten, welches am eh nicht sonderlich hohen Zins am Geldmarkt zehren könnte. Die Betrachtung von ETFs ist an dieser Stelle also ratsam.
Zuletzt sind auf die angesprochenen Bonitäten der Emittenten Rücksicht zu nehmen. Auch wenn EU-Länder dank des Schirms der Zentralbanken sicherer scheinen bieten einzelne Länderbanken ein ungeahntes Ausfallrisiko.
Ein Vergleich zwischen 2 Geldmarkt-ETF, einem aktiv gemangtem GMF sowie einem teilpassiven GMF
Aussicht: Erträge werden sinken
Zuletzt ist jedoch zu erwähnen, dass Geldmarktfonds sowie kurzlaufenden Euro-Rentenfonds durch ihre direkte Koppelung an die von der Zentralbank gesetzten Zinsen dem Zinsänderungsrisiko unterliegen. Hierbei ist nicht die Rede von der Abwertung der bestehenden Schuldverschreibungen durch ein gesunkenes Zinsumfeld, wie das bei langlaufenden Titeln der Fall ist, sondern lediglich von dem Risiko des sinkenden Zinses. Da im Zuge der aktuellen Rezession eine Senkung des Leitzinses durch die EZB für wahrscheinlich erachtet wird, besteht ebenfalls die Chance, dass die Erträge von 3,0-3,3 % auf ein niedrigeres Niveau zurückfallen.
Bislang bieten diese jedoch ein hervorragendes Mittel um sein Geld inflationsausgleichend, sicher und liquide für < 24 Monate zu parken.


