Greenwashing bei Investmentfonds

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In der heutigen Zeit ist die Nachhaltigkeit ein zentrales Anliegen in allen Wirtschaftsbereichen. Die Europäische Union hat spezifische Schritte unternommen, um die Praxis des Greenwashings bei Finanzprodukten, insbesondere Fonds und börsengehandelten Fonds, zu bekämpfen. Diese Maßnahmen sollen die Transparenz erhöhen und sicherstellen, dass die Investitionen tatsächlich umweltfreundliche Praktiken fördern.

Was ist Greenwashing bei Investmentfonds?

Greenwashing bezeichnet die Praxis, durch Marketing und Informationsdarstellung ein umweltfreundlicheres Bild eines Produkts oder einer Dienstleistung zu vermitteln, als es tatsächlich der Fall ist. Im Finanzsektor führt dies dazu, dass Investoren möglicherweise in Produkte investieren, die als nachhaltig beworben werden, deren tatsächlicher Einfluss auf die Umwelt jedoch minimal ist.
Insbesondere führte die zunehmende Bedeutung von Umwelt, Nachhaltigkeit und Ökologie zu einer regelrechten Explosion der „Grünen Investmentfonds“.
Teilweise wurde nur der Fondsname mit dem Suffix „ESG“ versehen und die Produktinformationsblätter leicht abgepasst.

Identifizierung von Greenwashing:

Wissenschaftler der Universität Barcelona haben bahnbrechende Arbeit geleistet, indem sie die Morningstar-Datenbank statistisch analysierten, um das Phänomen des Greenwashings in ESG-Fonds präzise zu definieren und zu identifizieren. Sie definierten Greenwashing als ein Phänomen, das auftritt, wenn ein ESG-Fonds zwei spezifische Kriterien erfüllt: erstens, ein durchschnittliches oder schlechteres ESG-Rating von Morningstar zu erhalten, und zweitens, bei weniger als 70 % der ESG-relevanten Abstimmungen auf Hauptversammlungen teilzunehmen.

Diese Definition von Greenwashing betont die Wichtigkeit des ESG-Engagements, das die Nutzung von Aktionärsrechten bei Hauptversammlungen einschließt, um weniger nachhaltige Unternehmen auf den grünen Pfad zu führen. An dieser Stelle gelingt ein tatsächlicher Abgleich zwischen dem Gesagten und den Handlungen.
Die Forscher entdeckten, dass transparente Kommunikation des Fondmanagements über solche Bemühungen essenziell ist, um nicht als Greenwashing eingestuft zu werden.

Die Analyse der Morningstar-Datenbank amerikanischer nachhaltiger Aktienfonds von 2016 bis 2020 ergab, dass 31 der 130 untersuchten Fonds nach der festgelegten Definition Greenwashing betrieben. Dies entspricht 24 % der Fonds und 30 % des verwalteten Vermögens. Interessanterweise zeigte sich, dass größere Fondshäuser, die oft unter stärkerem Verkaufsdruck stehen, häufiger Greenwashing betrieben, während kleinere Boutiquen eher ihre Anlagestrategien wahrheitsgetreu darstellten.

Maßnahmen der EU:

Durch den 10-Punkte Plan, dem sog. EU-Aktionsplan möchte die Europäische Union die Klimaneutralität bis 2050 erreichen. Die Punkte 1 und 2 werden durch die Taxonomie-Verordnung und die Offenlegungs-Verordnung adressiert.

Die Taxonomie-Verordnung der EU, eingeführt am 12. Juli 2020, bietet ein entscheidendes Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten und setzt EU-weite Standards für das Reporting und die Kennzeichnung nachhaltiger Finanzprodukte. Dieses Instrument dient Anlegern als Orientierungshilfe, um zu erkennen, welche Aktivitäten als ökologisch nachhaltig eingestuft werden.

In der Verordnung sind sechs zentrale Umweltziele festgelegt:
  1. Klimawandel abschwächen
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen
  4. Förderung einer Kreislaufwirtschaft sowie Abfallvermeidung und Recycling
  5. Vermeidung von Umweltverschmutzung
  6. Schutz von Ökosystemen und Biodiversität
Die Konformität wirtschaftlicher Aktivitäten mit diesen Zielen wird anhand von drei Hauptkriterien bewertet:
  1. Die erhebliche Unterstützung mindestens eines der sechs Umweltziele,
  2. Dass sie keine anderen Umweltziele signifikant beeinträchtigen,
  3. Dass sie Mindestschutzmaßnahmen einhalten, welche negative soziale Auswirkungen verhindern.

Die Implementierung der Taxonomie-Verordnung wird schrittweise erweitert und vertieft, was zu einer umfassenden Anwendung in den kommenden Jahren führen wird.

SFDR:

Die SFDR, ein zentrales Element des EU-Aktionsplans für nachhaltige Finanzen, setzt seit ihrem Inkrafttreten im Dezember 2019 und der verbindlichen Anwendung ab dem 10. März 2021 Maßstäbe für die Transparenz und die Vermeidung von Greenwashing in der Finanzbranche. Diese Verordnung verpflichtet Fondsgesellschaften dazu, die Nachhaltigkeitsziele ihrer Fonds in den Prospekten klar zu definieren. Sie müssen detailliert offenlegen, wie Nachhaltigkeitsrisiken im Anlageprozess berücksichtigt werden und welche Metriken zur Bewertung von ESG-Faktoren zum Einsatz kommen.
Zudem ist es erforderlich, dass die Fondsgesellschaften darlegen, wie sie mit Investitionsentscheidungen umgehen, die potenziell negative Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren haben könnten, bekannt unter dem Fachbegriff „Principal Adverse Impacts“ (PAI).
Die SFDR kategorisiert Fonds in drei Gruppen gemäß ihrer Nachhaltigkeitsausrichtung: Artikel 6, Artikel 8 und Artikel 9, wobei jeder Artikel unterschiedliche Anforderungen und Standards an die Offenlegung stellt, um höchstmögliche Transparenz zu gewährleisten und Greenwashing effektiv zu unterbinden.

Tabelle mit Definitionen von Artikel 6, 8, und 9 Finanzprodukte

Tipps für Anleger mit Nachhaltigkeits-Präferenz:

Untersuchungen der Universität Barcelona zeigten:

  • Kleinere Fondshäuser bieten häufiger nachhaltige Aktienfonds, deren Eignung für das individuelle Risikoprofil des Anlegers zusätzlich geprüft werden sollte.

  • Nachhaltige Aktienfonds von Fondsgesellschaften, die die UN PRI unterzeichnet haben, sind aufgrund geringerer Greenwashing-Fälle den Nicht-Unterzeichnern vorzuziehen.

  • Eine gründliche Überprüfung der Auswahlprozesse von nachhaltigen Aktienfonds ist essenziell, da etwa ein Viertel aller Fonds Greenwashing betreiben könnte.

Es ist für Anleger wichtig zu verstehen, dass eine Klassifizierung keine spezifische Nachhaltigkeitsstrategie festlegt, noch detaillierte Auswahlkriterien bereitstellt. Ihr primäres Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und eine bessere Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Finanzprodukten zu ermöglichen.
Beispielsweise sind im Jahr 2022 eine Vielzahl von Artikel 9 zu Artikel 8 Fonds umklassifiziert worden, da sich die Anforderung an die Taxonomie änderte. Statt sich der neuen Richtlinie unterzuordnen, blieben die Manager oft Ihrer ursprünglich nachhaltigen Strategie treu und nahmen die Herabstufung in Kauf, was aus unserer Sicht nicht perse für eine schlechtere Nachhaltigkeit des Produkts steht.

Wer also wirklich sicherstellen möchte, dass eine Investition nachhaltig ist, sollte nicht nur die Produkte, sondern auch die Nachhaltigkeit des Anbieters sowie dessen Anlagestrategie berücksichtigen. Nützliche Informationen hierzu bieten oft die Fondsdokumente oder die Angaben auf der Webseite des Fondsanbieters.

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