Anlageberatung: Wo verbergen sich Kosten

Diagramm zur Abbildung diverser Wertverläufe
KI-generiert mit Dall-E
In diesem Artikel beleuchten wir, wie sich Transaktionsgebühren, Verwaltungsgebühren und andere Kosten auf Ihre Geldanlage auswirken. Erfahren Sie, welche Kosten gerechtfertigt sind, wie Sie Kosten effektiv managen und wie Sie Ihre Performance durch die gezielte Minimierung von Kostenpositionen maximieren können.

Investmentfonds sind ein beliebtes Instrument für Anleger, die ihr Portfolio diversifizieren möchten. Doch hinter der Fassade der potenziellen Renditen verbergen sich verschiedene Kosten, die die Gewinne schmälern können. In diesem Beitrag werfen wir einen kritischen Blick auf die Kostenstrukturen von Investmentfonds, darunter den Ausgabeaufschlag, Verwaltungskosten, Performance-Fee, Transaktionskosten und Honorarkosten, und diskutieren, warum gewisse Kosten notwendig sind.

Abgrenzung der Kostenarten:

  • Ausgabeaufschlag (AA): Dies ist eine Gebühr, die beim Kauf von Fondsanteilen anfällt. Sie wird prozentual vom Anlagebetrag berechnet und dient häufig dazu, Vertriebskosten zu decken. Da der AA nahezu gänzlich an den Vermittler/Berater fließt, kann er als eine Art Provision verstanden werden. 
  • Verwaltungskosten: Diese jährlich anfallenden Kosten decken das Management des Fonds ab. Sie umfassen die Gehälter des Fondsmanagements, die Analyse und Auswahl von Investitionen sowie administrative Aufgaben. Diese Kosten sind jedoch bereits innerhalb des Fonds bezahlt worden. Bei ausgewiesenen Wertentwicklungen aktiv gemanagter Fonds wurden diese Kosten bereits abgezogen.
  • Performance-Fee: Einige Fonds berechnen eine erfolgsabhängige Gebühr, die anfällt, wenn der Fonds eine vorher festgelegte Benchmark übertrifft. Dies soll den Fondsmanager motivieren, eine überdurchschnittliche Performance zu erzielen. Kritiker bemängeln jedoch, dass dies zu risikoreicheren Investitionen führen kann.
  • Transaktionskosten: In der Regel erheben Banken oder Broker eine Basisgebühr, die als Mindestbetrag gilt, zuzüglich eines spezifischen Prozentsatzes des Kurswerts. Zusätzlich fallen häufig Gebühren für den Handelsplatz an, falls die Transaktion nicht im Direkthandel durchgeführt wird.
  • Honorarkosten: Honorarbasierte Beratungskosten fallen an, wenn Anleger eine persönliche Beratung in Anspruch nehmen. Diese Kosten sind für die individuelle Anlageberatung und -planung gedacht und zusätzlich der Fondskosten zu sehen.
Diagramm des Ursprungs einzelner Kostenpositionen
Diagramm der Kostenebenen bei der Geldanlage

Insbesondere bei schwer durchsichtigen Produkten wie Versicherungen, Bausparverträgen, Investmentfonds o.Ä. sind die Kosten nicht direkt ersichtlich. Für Privatanleger sind diese nahezu nicht festzumachen.
Im Zeitalter der bedingungslosen Wissensverbreitung über das World Wide Web verfestigt sich insbesondere bei jungen Menschen das Bedürfnis nach der Kenntnis und Kontrolle sämtlicher Kosten einer Geldanlage. Dies ist nicht zuletzt aus den Zuflüssen in passiv investierenden Fonds (sog. ETFs) ersichtlich. „Zurecht!“ sagte Andreas Morsh, Fondsmanager bei All Stars Fondsservice, während er auf fast systematisch auftretende Underperformance aktiv gemanagter Fonds hinwies. Zumal gewisse Kosten, wie die Verwaltungskosten oder Performance-Fees genau dafür bezahlt werden, dass das jeweilige Management einen Mehrwert für den Kunden liefert.

Doch Kostenstrukturen sind nicht zwangsläufig fix. Auf Ebene der Fonds, aber auch auf Beraterebene kann hier teils freiwillig variiert werden. So rabattieren Berater Ihren Kunden heutzutage das Agio und verlangen als Ausgleich ein Serviceentgelt oder Honorar. Ebenfalls enthalten die meisten aktiv gemanagten Fonds mit einer höheren Verwaltungsgebühr ein sog. Kick-Back an den Berater. Das heißt, dass ein Teil der Verwaltungskosten an den Vermittler gezahlt wird. Vorwiegend, weil der Vermittler/Berater einen fortlaufenden Arbeitsaufwand hat, andererseits um dem Vermittler einen Anreiz seine Kunden in dem Fonds zu behalten. Kritiker behaupten, dass dies zu Interessenkonflikten führen kann, da unterschiedliche Fonds unterschiedlich hohe Kick-Backs an den Berater zahlen und somit keine neutrale Beratung stattfinden kann.

Welche Kosten sind aber nun angemessen und welche sollte der Kunde besser meiden?

Grundlegend muss sich die Frage gestellt werden, wofür gewisse Kosten gezahlt werden und ob dies einen positiven Effekt auf den Anlageerfolg haben wird. Empirische Arbeiten weisen darauf hin, dass es nur wenigen Analysten gelingt, langfristig eine Überrendite zu erwirtschaften. Überrendite heißt dabei „besser zu sein“ als die Benchmark (auch Vergleichsindex oder Durchschnitt eines Marktes).
Ein häufiger Irrglaube vieler Anleger besteht darin anzunehmen, dass ein aktives Management mehr Ertrag als ein Index machen müsse, um „besser“ zu sein. Besser kann jedoch auch bedeuten, den gleichen Ertrag zu erzielen, jedoch ein deutlich geringeres Risiko für den Anleger eingegangen zu sein. Dies wäre effizient und somit ebenfalls „besser“. Sofern ein Management also bei gleichem Risiko einen Mehrertrag oder bei gleichem Ertrag ein geringeres Risiko erzielen konnte, sind die Kosten gerechtfertigt. Im jedem anderen Fall, wäre ein Investment in „den Marktdurchschnitt“ besser gewesen. Da Ertrags- und Risikokennzahlen immer historischer Natur sind, bringt diese Betrachtung nur bedingt Aussagegehalt für die Zukunft mit sich. Zumindest lässt Sie einen Schluss über die Fähigkeiten eines Managementteams zu.
Ein weiterer Aspekt bei der Betrachtung potenzieller Kosten ist das Ausmaß, zu welchem sie die Anlage beeinflussen. Beispielsweise könnten Fonds mit einem AA von 5% dazu führen, dass Berater alle paar Jahre mit neuen Anlageideen um die Ecke kommen und diese „Umschichtungsprovision“ vereinnahmen. Hier könnte für ein Berater ein Interessenkonflikt entstehen. Gleichermaßen steht es um die Kick-Backs, welche die Objektivität eines Berater ebenfalls tangieren dürften.
Dass Ausgabeaufschläge mit i.d.R. 5%, wie auch Verwaltungskosten mit teilweise 2,5% p.a. die Nettorendite negativ beeinflussen, muss hier nicht weiter ausgeführt werden.

Diagramm welches effiziente und ineffiziente Investments zeigt
Das Diagramm zeigt effiziente und ineffiziente Investments und lässt eine Bewertung hinsichtlich der Angemessenheit entstandener Kosten zu.

Tipps für die Praxis:

Anleger sollten die Kosten auf ihren einzelnen Ebenen betrachten. Beispielsweise können Leistungen, welche hinter 2% Verwaltungsgebühr eines Investmentfonds stehen nicht mit 2% Servicegebühr eines Finanzberaters verglichen werden. Die folgenden Empfehlungen entspringen unserer Erfahrung und müssen keineswegs für jeden Anleger oder jedes Investment gelten.

  1. Depotführungsentgelt: Wie bei fast jedem Konto fällt ein jährliches Entgelt an. Preislich sollte hierfür nicht mehr als 50€ im Jahr anfallen. Onlinebroker sind sogar teilweise entgeltfrei.
  2. Transaktionskosten: Die bei der Orderausführung anfallenden Kosten sollten bestenfalls 0€ betragen. Onlinebroker sowie die meisten Depotbanken haben oft eine Transaktionsgebühr von 1-2€. Mehr sollte ebenfalls zu Bedenken geben.
  3. Ausgabeaufschläge: Für die Herstellung der Neutralität und Vermeidung eines Interessenkonfliktes sollte bestenfalls auf den Wegfall des Ausgabeaufschlages geachtet werden.
  4. Verwaltungskosten und Performance-Fee: Dies sind gerechtfertigte Kosten, welche durch die Arbeit von Managern entstehen. Bei auf Dauer ausgerichteten Anlagestrategien empfiehlt sich jedoch auf passiv anlegende Produkte zu setzen. Die Erfahrung zeigt, dass umso mehr Fondsmanager den Index „under performen“, je länger der Anlagezeitraum ist. Durch das Einbinden passiver Produkte, wie ETFs, können Verwaltungsgebühren von 1,5 – 2,5 auf 0,15 – 0,30 % reduziert werden. Ebenfalls führen sog. „Clean Share Tranchen“ zu keinerlei Rückfluss an den Berater, wodurch die Neutralität nochmals besser gewährleistet ist.
  5. Beraterhonorar: An dieser Stelle verlangen Berater, was Ihnen Ihre Dienstleistung und Erfahrung wert ist. Hier ist nicht zu bewerten, welcher Stundensatz für welches Know-How gerechtfertigt ist.
  6. Jährliches Serviceentgelt: Das Jährliche Serviceentgelt entschädigt den Berater für den besagten jährlichen Support. Meistens wird dieses als Prozentsatz des Nettoanlagevermögens berechnet. Im besten Fall ersetzen Anlageberater (sofern möglich) sämtliche Zuflüsse durch ein klares transparentes jährliches Entgelt. So wird dem Kunden über eine einzige Position ersichtlich, was dem Berater zugeflossen ist. 

Zusammenfassend bleibt die grundlegende Wichtigkeit niedriger Kosten für die langfristige Vermögensbildung zu betonen. Die Finanzindustrie ist nicht umsonst die reichste Branche weltweit. Sie lebt von dem Geld Ihrer Kunden. Klar ist jedoch auch, dass nichts umsonst ist und hinter jeder Dienstleistung eine Entlohnung stehen sollte. In jedem Fall sollten Privatanleger verstehen, wofür Ihnen Kosten berechnet werden und wie diese die langfristige Geldanlage beeinflussen. 

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