Rebalancing – beruhigt Geist und Depot

Bild einer Waage mit Bulle und Bär
KI-generiert mit Dall-E
Rebalancing im Depot ist ein entscheidender Prozess für Investoren, um ihre Portfolios im Einklang mit den ursprünglichen Anlagezielen zu halten. Durch regelmäßige Anpassungen werden Risiken minimiert und die Renditechancen maximiert. Dieser Artikel bietet einen Einblick in effektive Rebalancing-Strategien, deren Bedeutung für ein gesundes Portfolio sowie praktische Tipps für den langfristigen Vermögensaufbau.

Das Rebalancing beschreibt die Wiederherstellung der Ursprungsgewichtung einer Assetallokation, welche sich im Zeitverlauf verändert hat. Dass sich die einzelnen Positionen in einem Investmentdepot mit unterschiedlicher Rendite entwickelt und hierdurch ein Missverhältnis verglichen mit der ursprünglich gewählten Aufteilung entsteht, ist ganz normal. Durch gezielten Kauf und Verkauf von Anteilen werden die Verhältnisse wiederhergestellt. 
Rebalancing ist ein wesentlicher Bestandteil des kontinuierlichen Portfoliomanagements, das dazu beiträgt, das Risiko gegeben einer Anlegerneigung beizubehalten und gleichzeitig die Rendite zu maximieren.

Die Bedeutung des Rebalancings

Rebalancing schützt Investoren vor zu hohen Marktschwankungen und hilft, das Portfolio an die ursprünglichen Anlageziele anzupassen. Dies kann eine Aufteilung von verschiedener Länder und Regionen aber auch die Aufteilung zwischen risikobehafteten und risikofreien Assets sein. Durch regelmäßiges Rebalancing können Investoren Überbewertungen vermeiden und von Unterbewertungen profitieren.

 

Die Tabelle zeigt die Abweichung der Portfoliokomponenten von der Ursprungsaufteilung.

Vorteile des Rebalancing

  • Risikomanagement: Durch die Anpassung der Asset-Allokation an eine ursprünglich gewünschte Risikostufe können übermäßige Verluste minimiert werden. In der Beibehaltung einer für den Anleger tragbaren Risikoklasse liegt der Hauptvorteil des Rebalancings, wodurch dieses als Risikomanagementtool verstanden werden sollte.
  • Renditesteigerung: Rebalancing ermöglicht es, von Marktschwankungen zu profitieren, indem Assets in unterbewertete Segmente umgeschichtet werden. Durch den sog. Rebalancing-Bonus kann eine jährliche Mehrrendite von 0,1 – 0,4 % erreicht werden. Über 35 Jahre entspräche das einem Zugewinn von ca. 15%. Hierbei ist jedoch zwischen dem Rebalancing innerhalb sowie außerhalb einer Assetklasse zu unterscheiden. Während das Rebalancing innerhalb einer Klasse einen ertragssteigernden Effekt, begründet durch die „Regression zum Mittelwert“ hat, führt das Rebalancing zwischen unterschiedlichen Ertrgagsklassen zu einer langfristigen Minderrendite, verglichen mit einem klassischen Buy and Hold Ansatz. (Hierzu mehr bei Nachteile)
  • Disziplin: Die feste Strategie verhindert emotionale Entscheidungen und fördert eine langfristige Anlageperspektive. Es stellt eine Art Training der Selbstdisziplin dar, welche in diversen Marktphasen zu nachhaltigeren Entscheidungen führen können. Dieser Effekt wird von vielen Anlegern betont, wurde jedoch empirisch bislang nicht untersucht.

Nachteile des Rebalancing

  • Kosten: Durch Rebalancing, das durch Umschichtungen realisiert wird, entstehen Transaktionskosten beim Verkauf und Kauf von Anlagen, die bei einer strikten Buy-and-Hold-Strategie ohne Rebalancing vermieden werden. Glücklicherweise lassen sich diese Kosten minimieren, wenn man die Strategie geschickt umsetzt.
  • Markttiming: Es ist schwierig, den optimalen Zeitpunkt für das Rebalancing zu bestimmen. Grundsätzlich werden Anleger nie den besten (ertragsmaximierenden) Zeitpunkt erwischen. Hieraus ergibt sich der Schluss der Einhaltung vorher fest definierter Rebalancing-Regeln.
  • Minderrendite: Im Vergleich zum Rebalancing innerhalb einer Assetklasse kann das Rebalancing zwischen unterschiedlichen Klassen zu eine positiven aber auch negativen Renditeeffekt führen. Ein positiver Effekt tritt auf, wenn wir einen kurz- bis mittelfristigen Zeitraum während eines Crashs betrachten. Der günstige Einkauf durch eine Umschichtung hat hier einen spürbaren Effekt. Langfristig hingegen (> 25J.) liegt jedoch messbar ein negativer Renditeeffekt vor, da die Umschichtung immer die ertragbringende Komponente (auch Risikobehaftete Komponente (RBK)) deckelt und in den risikoarmen Teil umschichtet. 

 

Strategien für effektives Rebalancing

  1. Periodisches Rebalancing: Legen Sie einen festen Zeitplan fest, z.B. halbjährlich oder jährlich, um Ihr Portfolio zu überprüfen und anzupassen. 
  2. Schwellenwert-Rebalancing: Rebalancen Sie, wenn die ursprüngliche Asset-Allokation um einen bestimmten Prozentsatz (z.B. 5%) abweicht. Lautet Ihre Zielallokation in einem Fonds bspw. 30% und sie haben eine 10% Schwelle, dann kann sich dieser Fonds in einer Bandbreite von 27% – 33% (+-10%) bewegen, ohne, dass Sie tätig werden müssen. Darüber hinaus erfolgt das Rebalancing.
  3. Cashflow-Methode: Hierbei erfolgt die Beibehaltung der Ursprungs-/Zielgewichtung über die zugeführten und abgeführten Mittel. Da sich ein Investitionsleben typischerweise entweder in einem Stadium des Aufbaus oder dem der Nutzung befindet, werden i.d.R. regelmäßig neue Gelder investiert oder regelmäßig bestehende Anteile verkauft. Durch gezielte Käufe und Verkäufe kann die Gewichtung aufrecht erhalten werden, ohne, dass die Nachteile einer anfallenden Steuer durch Umschichtung zum tragen kommen.
  4. Kombination: Anleger, welche Ihre Allokation durch die Cashflow-Methode aufrecht erhalten können, sollten diese auch priorisiert nutzen. Bei größeren Vermögen, denen eine verhältnismäßig kleine Zu- oder Abführung von Mitteln entgegensteht, kann ein Crash dazu führen, dass die Cashflow-Methode die Zielaufteilung nicht in angemessener Zeit wieder herzustellen kann.
    Dies bedingt die Hinzunahme der ersten beiden Methoden. Priorisiert werden sollte jedoch immer die Cashflow-Methode.

Fazit:

Rebalancing ist ein fundamentaler Aspekt des vernunftbasierten, passiven Investierens. Dieser Prozess kann auf der Grundlage einfacher, praktischer Richtlinien oder mittels eines komplexen Algorithmus durchgeführt werden, der im Idealfall alle möglichen Szenarien berücksichtigt. Unabhängig vom gewählten Ansatz ist jedoch Disziplin das Schlüsselwort. Rebalancing sollte primär als Instrument des Risikomanagements betrachtet werden und nicht als Methode, um kurz- bis mittelfristige Erträge zu maximieren. Cashflow-basiertes Rebalancing, das keine Kosten verursacht, ist daher besonders vorteilhaft. Aus der Perspektive des Anlegers symbolisiert Rebalancing die Eigenverantwortung über die Anlageentscheidungen, unabhängig von den kurz- bis mittelfristigen, in jede Richtung schwankenden Marktbewegungen.

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