Währungsabsicherung bei Investmentfonds

Bild eines USD
Prompt: Male ein Aquarellbild, welches den US-Dollar als Währung widerspiegelt.
In einer zunehmend globalisierten Welt, in der Kapital und Handelsgüter über Landesgrenzen hinweg fließen sowie die meisten Währungen einem freien Wechselkurs unterliegen, ist die Gefahr einer Auf- oder Abwertung einer Währung hinter einem zu investitionszwecken erworbenem Asset nichts Neues. Entstehende Wechselkursschwankungen können dabei ebenfalls spürbare Auswirkungen auf die Rendite von Investmentfonds haben, sowohl positiv als auch negativ. Doch welche Absicherungen ergeben für Privatinvestoren Sinn und an welchen Stellen kann zur Wahrung der Rendite auf ein Hedging verzichtet werden?

In unserem globalisierten Welthandel sind Geschäftstransaktionen unabdingbar mir Währungsumrechnungen verbunden. Hierbei bestimmt der Wechselkurs einer Währung den relativen Wert im Vergleich zu einer anderen Währung. Durch eine Vielzahl von Einflüssen kann dieses Umrechnungsverhältnis im Zeitablauf schwanken. Hauptsächlich entstehen Wechselkursschwankungen dabei durch das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage zweier Währungen sowie dem erwarteten Angebot und der erwarteten Nachfrage nach einer Währung. Diese Schwankungen können sowohl kurzfristig als auch langfristig auftreten und ebenfalls bei der Investition in diverse Assets einen Einfluss auf das finale Anlagergebnis haben. Die Hauptursachen für das Auf- oder Abwerten einer Währung sind die folgenden:

  • Wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Die allgemeine wirtschaftliche Lage eines Landes spielt eine wesentliche Rolle. Hohe Wachstumsraten und starke Volkswirtschaften ziehen zumeist Investoren an, was die Nachfrage nach der Landeswährung erhöht und sie stärkt.
  • Zinsunterschiede: Zinsdifferenzen zwischen Ländern beeinflussen Kapitalströme. Höhere Zinssätze machen Anlagen in einem Land attraktiver und führen zu einer Aufwertung der Währung. In diesem Zusammenhang erklärt sich ein regelrechter Gleichschritt der großen Zentralbanken FED und ECB
  • Inflation: Eine hohe Inflationsrate entwertet das Geld und schwächt die Kaufkraft. Dies führt langfristig zu einer Abwertung der Währung im Vergleich zu stabileren Währungen.
  • Politische Risiken: Politische Unsicherheiten, wie etwa Wahlen, Handelskriege oder regulatorische Eingriffe, wirken sich negativ auf das Vertrauen in eine Währung aus und führen zu Fluchtbewegungen in sicherere Währungen.
  • Handelsbilanz und Kapitalströme: Ein Handelsbilanzdefizit (mehr Importe als Exporte) erhöht die Nachfrage nach Fremdwährungen und schwächt die eigene Währung. Ebenso können Kapitalabflüsse aus einem Land zu Währungsabwertungen führen.

Für die Absicherung von Währungsrisiken stehen Investoren verschiedene Instrumente zur Verfügung stehen. Da es jedoch nicht das Ziel des Artikels diese im Detail zu beleuchten, geben wir lediglich einen kurzen Überblick über die wichtigsten am Kapitalmarkt zur Verfügung stehenden Elemente.

  • Währungstermingeschäfte: Währungstermingeschäfte gehören zu den am häufigsten genutzten Instrumenten zur Absicherung. Hierbei vereinbaren zwei Parteien, zu einem zukünftigen Zeitpunkt einen bestimmten Wechselkurs zu nutzen.
    • Vorteil: Planungssicherheit und kein Risiko durch zukünftige Kursschwankungen.
    • Nachteil: Kosten für die Terminabsicherung und der Verzicht auf potenzielle Kursgewinne.
  • Währungsoptionen: Optionen bieten dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, eine Währung zu einem festgelegten Kurs zu handeln.
    • Vorteil: Flexibilität und die Möglichkeit, von positiven Kursentwicklungen zu profitieren.
    • Nachteil: Optionsprämien verursachen zusätzliche Kosten.
  • Natural Hedging: Durch Natural Hedging gleichen Unternehmen Einnahmen und Ausgaben in derselben Fremdwährung aus. Ein Beispiel ist der Einsatz von Zulieferern in denselben Währungsregionen wie die Kunden.
    • Vorteil: Keine direkten Kosten für Absicherungsinstrumente.
    • Nachteil: Begrenzte Möglichkeiten, das gesamte Risiko abzudecken.
  • Währungsswaps: Bei Währungsswaps tauschen zwei Parteien Kapitalbeträge und Zinszahlungen in unterschiedlichen Währungen aus. Dies eignet sich besonders für langfristige Projekte
    • Vorteil: Planbarkeit und Individualität
    • Nachteil: Counterparty-Risiko des Swap-Partners

 

Doch wo entsteht nun ein Währungsrisiko in meinem Portfolio und wann sollte ich dieses absichern?

Ein global diversifiziertes Aktienportfolio birgt Wechselkursrisiken, die jedoch anders sind, als viele Privatanleger annehmen. Die Absicherung von tatsächlichen Risiken ist praktisch unmöglich, da Unternehmen wie Apple Einnahmen und Ausgaben in zahlreichen Währungsräumen haben. Ebenfalls sind in einem diversifizierten weltweiten Aktienportfolio derart viele Wechselkurspaare vertreten, dass ein einzelnes Währungspaar abzusichern, deutlich zu kurz greift und die komplexen Wechselkurseffekte innerhalb eines solchen Portfolios ignorieren würde.
Der MSCI ACWI IMI als breiter diversifizierter Index umfasst beispielsweise rund 9.000 Unternehmen aus über 190 Ländern mit potenziell über 190 Wechselkursen. Schon bei 20 Währungen ergeben sich 190 Wechselkurspaare, bei 100 Währungen sind es fast 5.000. Dies verdeutlicht die immense Komplexität der Wechselkursrisiken in globalen Portfolios, die mit einzelnen Hedging-Maßnahmen nicht sinnvoll abgedeckt werden können. Zudem ist aus Erfahrung abzuleiten, dass es bei dieser Anzahl an Kurspaaren genauso viele Währungsrisiken wie auch -chancen gibt. Währungsrisiken und Chancen sollten sich also auf Portfolioebene ausgleichen.

Zudem wirken Wechselkursrisiken oft anders als vermutet, denn auch Länder mit „Weichwährungen“ erzielen häufig vergleichbare bereinigte Aktienrenditen wie Hartwährungsländer. (Weichwährungsländer sind Länder, welche im Vergleich zu den großen Währungen wie Euro, Dollar, GBP, CHF, Yen etz. im Zeitverlauf eher an Wert verlieren und somit ein klarer Abwertungspfad erkennbar ist) Dieser Effekt hängt mit dem höheren Risiko in Weichwährungsländern zusammen, das durch höhere Renditen kompensiert wird. Hierfür ist die sog. Political Risk Prämie verantwortlich, welche einen statistisch höheren Ertrag von Nicht-Industrieländern beschreibt. Nicht zuletzt jedoch auch wegen der antizipierten Abwertung der Währung. Damit wird klar, dass Wechselkurse langfristig weniger Einfluss auf die Aktienmarktrendite haben, als oft angenommen wird.

Die Absicherung eines global diversifizierten Portfolios gegen bestimmte Währungen gleicht einer spekulativen Wette auf die Stärke der Heimatwährung. Diese Wette hat mit den echten Währungsrisiken im Portfolio wenig zu tun und bringt langfristig weder verlässliche Risikosenkung noch Renditesteigerung. Echte Wechselkursabsicherung ist aufgrund der Komplexität und Kosten praktisch nicht realisierbar.
Die langfristigen Renditen des Weltaktienmarktes unterscheiden sich zwar in nominalen Werten stark, in inflationsbereinigten Renditen jedoch weniger. Viele Anleger gehen jedoch fälschlicherweise davon aus, dass Währungs-Hedging höhere Renditen oder geringeres Risiko garantiert. Sie nehmen dabei an, dass sie die höhere Rendite durch das hedgen „rübernehmen“ können in die Heimat(-währung). Diese Denkweise ignoriert jedoch, dass Hedging in einem globalen Portfolio wie beschrieben unsinnig ist und somit zumeist eine separate Währungsspekulation darstellt.
Anleger begehen also grundlegend drei zentrale Denkfehler: Sie fokussieren sich auf nominale statt reale Renditen, verwechseln echtes Hedging mit einer Währungsspekulation und extrapolieren vergangene Trends in die Zukunft. Historische Unterschiede in Aktienmarktrenditen oder Wechselkursen liefern nachgewiesenermaßen keinerlei zuverlässige Grundlage für zukünftige Kursentwicklungen. Selbst langfristige Wechselkursentwicklungen bieten keinen klaren Vorteil für ein Hedging.

Ganz anders sieht es auf der sicheren Seite Ihres Portfolios aus. Der Stabilitätsanker (auch Risikofreie Komponente, RFK) eines Portfolios besteht aus Anleihen hoher Bonität mit superkurzer und kurzer bis mittlerer Laufzeit in der funktionalen Währung des Anlegers. Diese gelten als die risikoärmsten Anlagen und haben eine deutlich geringere Volatilität als Aktien. Bankguthaben bis zur Höhe staatlicher Einlagensicherung können ebenfalls als risikoarm eingestuft werden, sofern der Garantiegeber (Schuldner) ein gutes Rating besitzt.
Anleihen hoher Qualität, welche im Vergleich zu Aktien eine drastisch geringere Volatilität und niedrigere maximale Verluste aufweisen, haben lediglich die Aufgabe das Risiko des Gesamtportfolios zu glätten und durch die Mischung im richtigen Verhältnis die Risikoaversion des Anlegers nicht zu übertreffen. Daher spricht man von der Stabilitätsankerfunktion in einem Portfolio.
Die Einführung von Wechselkursrisiko in risikoarme Anleihen, etwa durch Fremdwährungsanleihen ohne Währungsabsicherung, würde die geringe Volatilität dieser Asset-Klasse zunichtemachen. Wechselkursschwankungen, welche sich empirisch bei durchschnittlich 11 % befinden, übersteigen das Risiko solcher kurz-mittelfristigen Anleihen bei weitem und gefährden somit deren Hauptfunktion. Damit wäre ihr Zweck als sicherer Portfolioteil nicht mehr erfüllt.
Anleihen hoher Qualität sollten immer währungsabgesichert sein, wenn sie nicht in der funktionalen Währung des Anlegers vorliegen. Für Kleinanleger eignen sich deshalb ETF’s mit kurz- bis mittelfristigen Euro-Anheihen am Besten.
Für Anleihenfonds und ETFs ist ein Währungs-Hedging vergleichsweise einfach umsetzbar, und die globale Diversifikation ist weniger entscheidend als bei Aktien. Im ETF-Bereich bietet eine Produktvielfalt den Anlegern diverse Lösungen.
(Anleihen niedriger Qualität, wie Schwellenländeranleihen oder Hochzinsanleihen, eignen sich nicht für die Stabilitätsankerfunktion und gehören zum risikobehafteten Portfolioteil. Für diese Anleihen ist die Entscheidung über ein Währungs-Hedging von Fall zu Fall zu treffen. Solche Papiere weisen höhere Risiken auf und erfüllen nicht die Anforderungen eines risikoarmen Portfolioanteils.)

Welche Kosten entstehen beim Währungshedging?

Oben genannte Sicherungsinstrumente sind niemals kostenlos, und je länger die Laufzeit der Absicherung, desto höher fallen in der Regel die Kosten aus. Zusätzlich spielt das Währungspaar eine wichtige Rolle: Je exotischer die abgesicherte Währung, desto teurer wird das Hedging. Am kostengünstigsten ist die kurzfristige Wechselkursabsicherung zwischen den großen Hauptwährungen wie US-Dollar, Euro, Britischem Pfund und Japanischem Yen. Trotz sinkender Hedgingkosten bei den institutionellen Anlegern infolge des technologischen Fortschritts sind auch bei den Hartwährungen die Hedgigkosten nicht zu vernachlässigen. 
Ein anschauliches Beispiel: Währungsgesicherte ETFs auf den MSCI World Standard Index weisen im Vergleich zu ihrer nicht abgesicherten Variante zusätzliche Kosten von ca. 0,3% auf, welche sich in der TER (Total Expanse Ratio) widerspiegeln.
Neben direkten Kosten wie Prämien oder Gebühren fallen auch Opportunitätskosten an, falls eine Kursentwicklung positiv ausfällt. Daher ist eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse unverzichtbar

Fazit: Wann lohnt sich Währungsabsicherung wirklich?

Globale Aktien-ETFs mit Währungssicherung sind für rationale, passive Anleger meist nicht sinnvoll, da sie höhere Kosten verursachen, ohne belegbare Vorteile bei Rendite oder Risiko zu bieten. Das Absichern von USD-Wechselkursen oder anderen Einzelwährungen in einem global diversifizierten Aktienportfolio entspricht eher einer separaten Wechselkursspekulation, die das Anlageziel verfälschen und negative Auswirkungen haben kann. Die Berichtswährung eines Fonds ist dabei irrelevant für das tatsächliche Wechselkursrisiko.
Bei Anleihen, die als risikofreie (oder zumindest risikolose) Komponente im Portfolio dienen, sollte ein Wechselkursrisiko strikt vermieden werden, da es ihre Funktion als stabilisierende Komponente beeinträchtigen würde.
Eine Aufwertung der Heimatwährung, die potenziell die Portfoliorendite senkt, steigert gleichzeitig die Kaufkraft für Importe und Auslandsreisen und wirkt somit als natürlicher Hedge.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ulrike Reinecke

    Vielen lieben Dank…
    fühle mich sehr gut beraten und professionell begleitet!

    Sehr guter Artikel!!!

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