Indizes sind in der Welt der Kapitalmarktanlagen unverzichtbare Werkzeuge. Heutzutage dienen sie maßgeblich als Messlatten, an denen die Performance von Investmentfonds, ETFs und anderen Finanzinstrumenten gemessen wird. Heutzutage werden gerne ganze Fondsportfolios mithilfe Indizes nachgebildet und als Investment genutzt. Besonders bei den jungen ETF-Anhängern wird die Meinung vertreten, dass wenige ETFs auf repräsentative Indizes von bspw. MSCI ein nichtzuschlagendes rundum sorglos Investment darstellt. Doch nicht alle Indizes sind gleich, und ihre Unterschiede können erhebliche Auswirkungen auf Anlageentscheidungen haben. Besonders bei Schwellenländer-Indizes wird deutlich, wie unterschiedlich die Klassifikationen und Gewichtungen zwischen den Anbietern ausfallen können. Durch den Vergleich der beiden großen Indexanbieter MSCI und FTSE möchten wir exemplarisch die Herausforderungen beim Indexinvestieren in Schwellenländern betrachten.
Warum sind Indizes so wichtig?
Indizes dienen in erster Linie als Benchmarks für die Performance-Messung von Finanzprodukten. Sie sind Konstruktionen, die auf bestimmten Regeln und Kriterien basieren, um einen bestimmten Markt oder ein Marktsegment zu repräsentieren. Ihre Bedeutung geht jedoch weit darüber hinaus. Für Anleger und Fondsmanager sind sie Orientierungspunkte, die helfen, Anlagestrategien zu entwickeln und den Erfolg oder Misserfolg eines Investments zu beurteilen. Zu den bekanntesten Indizes, welche zumeist von Börsenplätzen entwickelt wurden gehören die amerikanischen S&P500, DowJones, Nasdaq, für Europa der DAX, FTSE100 und Euro Stoxx50 oder im asiatischen Raum der Nikkei225 und Hang Seng. Aber auch private Anbieter wie MSCI (Morgen Stanley Capital Investment) setzen durch Ihre Vielfalt an Indizes eine Art Goldstandard zur Bemessung von Kapitalmarktergebnissen.
Doch Indizes sind keine neutralen oder objektiven Größen. Sie sind vielmehr das Ergebnis von Entscheidungen und Methodiken, die von den jeweiligen Anbietern festgelegt werden. Diese Entscheidungen betreffen unter anderem die Länder- und Branchenklassifikation, die Gewichtung einzelner Komponenten und die zugrunde liegenden Auswahlkriterien. Es ist daher wichtig sich mit den Unterschieden von Anbietern vertraut zu machen, um etwaige Dysbalancen in der Portfoliogewichtung zu vermeiden.
Was macht ein Schwellenland aus?
Der Begriff „Schwellenland“ oder „Emerging Market“ ist nicht einheitlich definiert. Schwellenländer zeichnen sich typischerweise durch ein starkes Wirtschaftswachstum, eine zunehmende Industrialisierung und eine steigende Integration in die Weltwirtschaft aus. Auch soziale und politische Merkmale wie der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie die politische Stabilität spielen eine Rolle. Schwellenländer bilden die Brücke zwischen den Industrieländern und Entwicklungsländern. Nicht selten werden Länder infolge Ihrer Entwicklung jedoch auch wieder vom Schwellenland zum Entwicklungsland herabgestuft, wie es der Fall bei Argentinien war. Da die Grenzen hierbei wie erwähnt nicht klar definiert sind, kann ein Land bei verschiedenen Anbetern entweder als Schwellenland oder als Entwicklungsland bewertet werden.
Indexanbieter wie MSCI oder FTSE nutzen für die Kategorisierung spezifische Kriterien. Diese Kriterien unterscheiden sich teilweise erheblich und beinhalten Aspekte wie:
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Marktzugänglichkeit: Wie leicht können ausländische Investoren in den Markt eintreten?
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Marktliquidität: Gibt es genügend Handelsvolumen, um große Investitionen zu tätigen?
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Rechtliche Rahmenbedingungen: Wie sicher sind Investitionen in Bezug auf Gesetze und Regulierung?
Unterschiede zwischen MSCI und FTSE
Ein herausragendes Beispiel für die unterschiedlichen Herangehensweisen der Anbieter ist die Klassifikation von Südkorea. MSCI stuft Südkorea weiterhin als Schwellenland ein, während FTSE das Land bereits in die Kategorie der entwickelten Länder („Developed Markets“) aufgenommen hat. Diese Differenz hat mit knapp 10% deutlichen Auswirkungen auf die Zusammensetzung der jeweiligen Indizes und erklärt u.A. die abweichende Performance zweier Indizes auf den selben Markt.
Ein ETF, der den MSCI Emerging Markets Index abbildet, enthält Aktien von südkoreanischen Unternehmen wie Samsung oder Hyundai. Im Gegensatz dazu fehlen diese Aktien in einem ETF, der den FTSE Emerging Markets Index nachbildet. Das Fehlen oder Vorhandensein von Südkorea kann die Rendite-Risikoprofil eines Fonds signifikant beeinflussen.
Ein weiteres Beispiel ist China. Während beide Anbieter China als Schwellenland einstufen, unterscheiden sich die Gewichtungen der chinesischen Aktien innerhalb der Indizes erheblich. Wo der Unterschied 2018 noch bei ca. 40 Prozentpunkten lag, liegt er heute nur noch bei rund 10 Pp, die MSCI China kleiner gewichtet als FTSE. MSCI hat in den letzten Jahren schrittweise sogenannte A-Aktien, also in China selbst gehandelte Aktien, in den Index aufgenommen, was die Gewichtung Chinas erhöht hat. Durch die schwachen letzten Jahre Chinas kann hier ebenfalls ei Teil der Divergenz der Indizes erklärt werden.
Auswirkungen auf Anleger
Die Unterschiede zwischen den Indizes sind für Anleger nicht nur eine akademische Frage. Sie wirken sich direkt auf die Performance, die Diversifikation und die Risiken von Fonds und ETFs aus. Ein Fonds, der auf den MSCI Emerging Markets Index setzt, wird zwangsläufig anders performen als ein Fonds, der den FTSE Emerging Markets Index abbildet.
Darüber hinaus können die Gewichtungen bestimmter Länder oder Sektoren die Gesamtrendite stark beeinflussen. Beispielsweise kann eine Übergewichtung von Technologiewerten in einem Index zu höheren Renditen führen, wenn dieser Sektor boomt. Gleichzeitig erhöht dies jedoch das Risiko bei einem Einbruch des Sektors.
Ebenfalls werden oft die Fehler gemacht aus Diversifikationsgründen auf verschiedenen Indexanbieter zu setzen. Dies wirkt sich jedoch eher negativ aus. MSCI World + FTSE Emerging Markets + MSCI Frontier Markets wäre ein klassisches Beispiel dafür wie man einerseits gewisse Länder überlagert sowie andererseits manche Länder vergisst.
Worauf sollten Anleger achten?
Anleger sollten bei der Auswahl von Fonds und ETFs die zugrunde liegenden Indizes über diverse Tools analysieren oder auf den Seiten der Indexanbieter die Gewichtungen vergleichen.
Wichtige Fragen hierbei sind:
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Welche Länder sind vertreten?: Werden bestimmte Länder über- oder untergewichtet und sind sie in anderen Indizes meines Portfolios evtl. bereits enthalten?
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Welche Sektoren dominieren?: Gibt es eine starke Konzentration auf bestimmte Branchen? Wie bspw. die Technologiebranche innerhalb des MSCI World.
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Wie ist die Methodik des Index?: Welche Kriterien werden für die Auswahl von Aktien verwendet? (z.B. Kapitalisierungs- vs. BIP-Gewichtungsmethode)
- Welche ETF-Anbieter nutzen welche Indizes zu welchen Kosten?: ETF-Anbieter, welche sich der Indizes zur Nachbildung bedienen (siehe Artikel: Die Wahre Funktionsweise von ETFs) bringen in Hinsicht auf Kosten und Indexauswahl eine große Vielfalt mit sich, welche selbst beim Indexinvestieren viele Trittfallen bieten.
Eine fundierte Analyse der Indizes hilft dabei, die individuellen Anlageziele besser zu erreichen und Risiken zu minimieren.
Fazit
Indizes sind unverzichtbare Werkzeuge für Investoren, doch sie sind keineswegs neutral oder einheitlich. Besonders bei Schwellenländer-Indizes ist es vorteilhaft, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern zu verstehen. Die Methodiken von MSCI und FTSE illustrieren, wie unterschiedlich die Einstufung und Gewichtung von Ländern sein kann.
Für Anleger bedeutet dies, dass sie sich intensiv mit der Auswahl des richtigen Index beschäftigen sollten. Durch ein grundlegendes Verständnis der Zusammensetzung und Methodik eines Index können fundiertere Anlageentscheidungen getroffen werden, die den eigenen Zielen und der Risikobereitschaft entsprechen.


