Abfindung: Der Rentenbooster

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Die Investition einer Abfindung in eine betriebliche Altersvorsorge ist eine kluge Finanzentscheidung. Neben der steuerlichen Vorteile besteht die Chance der freien fondsgebundenen Geldanlage und somit langfristiger Ertragssteigerung. Dieser Artikel beleuchtet, wie Arbeitnehmer ihre Abfindungen steuerfrei in die betriebliche Altersvorsorge einbringen können und was zu beachten ist, um den größten Hebel für die finanzielle Zukunft zu gewährleisten.

In der heutigen Arbeitswelt fällt es Unternehmen immer schwerer neue Talente zu finden und zu binden. Ebenso setzt sich das Bild durch, dass es Arbeitnehmern in Ihrem Job zunehmend um Flexibilität und Abwechslung geht. Zudem unterliegt die Arbeitswelt einem deutlich schnelleren Wandel als es vor 50 Jahren der Fall war. Gänzlich neue Berufsfelder entstehen, alte verschwinden und der demografische Wandel lässt den neuen Generationen die Oberhand am Bewerbungstisch haben. Dennoch entscheiden sich manche Arbeitnehmer für ein auf Dauer ausgerichtetes Arbeitsverhältnis. Eine Beendigung geht in diesem Fall oft einher mit einer Abfindung, einer einmaligen Geldzahlung des AGs an den AN. In aller Regel kommen greift der Fiskus in diesem Fall besonders zu, sodass beim AN nicht das ankommt, was vom AG erhofft war. Denn Abfindungen unterliegen der vollen Einkommensbesteuerung. Oft trifft eine Abfindung auf einen bereits hohen Steuersatz und führt dank progressiver Einkommenssteuer nicht nur zu einer hohen Besteuerung dieser, sondern auch zu einem höheren Durchschnittssteuersatz auf das gesamte Einkommen.
Die sogenannte „Fünftelregelung“ soll einer übermäßigen Besteuerung Abhilfe schaffen. Hier existieren 3 Probleme:

  • Die Fünftelregelung findet keine grundsätzliche Anwendung, sondern muss in der Anlage N der Steuererklärung beantragt werden. Wer sie vergisst, hat das Nachsehen.
  • Ab einem Einkommen über 62.000 € und einhergehenden Spitzensteuersatz von 42 % gibt es durch diese Regel keinen Vorteil.
  • Die Fünftelregelung hat in jedem Fall nur eine minimale Besserstellung für den AN zufolge.

§3, Abs. 63 EStG

Jedoch gibt es wenige versteckte Paragraphen, welche eine gänzliche Besteuerung umgehen. Einer dieser ist der § 3, Abs. 63 EStG.  Im 3. Satz wird festgehalten, dass eine Abfindung, welche aus Anlass der Beendigung des Arbeitsverhältnisses gezahlt wird, steuerfrei in eine Betriebsrente eingezahlt werden kann.
Dies kann ähnlich wie die Beiträge zu einer betrieblichen Altersversorgung bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) geschehen, vervielfacht um die Jahre der Betriebszugehörigkeit, maximal jedoch 10 Jahre. In der Regel können hierdurch über 30.000 € steuerfrei umgewandelt werden. Dieses Geld unterliegt jedoch einer späteren Besteuerung. Diese Steuerstundung hat jedoch erhebliche Vorteile.

Steuerstundung

Die Steuerstundung ist eine vorübergehende Aussetzung oder Verzögerung der Steuerzahlung, die unter bestimmten Bedingungen gewährt wird. Sie ermöglicht es Steuerpflichtigen, ihre Steuerlast zu einem späteren Zeitpunkt zu begleichen, oft um finanzielle Schwierigkeiten zu überbrücken oder, um Investitionen steuereffizient zu planen. Die Steuerstundung ergibt insbesondere unter zwei Voraussetzungen Sinn:

  • Die Steuerlast zum Zeitpunkt der Stundung wäre höher, als zum Zeitpunkt der späteren Zahlung.
  • Die nichtgezahlte Steuer wird verzinslich angelegt, sodass trotz späterer Zahlung ein Ertrag aus ihr erzielt wurde.

Beides Voraussetzungen sind i.d.R. über Satz 3 des § 3, Abs. 63 EStG erfüllt.
Wie der Vorteil im genauen aussieht, zeigen folgende Beispiele. ¹

Beispiel 1:

Ein Arbeitnehmer in Sachsen verlässt nach 7 Jahren Firmenzugehörigkeit am 31.12.2023 das Unternehmen. Er bekommt eine Abfindung von 20.000 €.
Sein ordentliches Jahresentgelt beträgt 45.000 €.

    • Versteuerung ohne §3 Abs. 63 (Satz 3):

Da das Entgelt von 45.000 € auf 65.000 € gestiegen ist, steigt der Durchschnittssteuersatz von 21 % auf 27 %. Statt 9.450 € werden 17.550 € Steuer gezahlt.
Von den 20.000 Abfindung bleiben lediglich 11.900€ übrig.

    • Steuersparmodell durch §3 Abs. 63 (Satz 3):

(7 Jahre Zugehörigkeit) x 3.504 € (4% BBG Ost) = 24.528 € maximale steuerfreie Einzahlung.
Somit kann der Arbeitnehmer seine Abfindung von 20.000€ in Gänze in eine betriebliche Vorsorge investieren. Eine Steuer fällt also vorerst nicht an.

Es wurden vorerst 8.100 € Steuerlast vermieden.

 

Beispiel 2:

Ein Arbeitnehmer aus NRW verlässt nach 25 Jahren Firmenzugehörigkeit am 31.12.2023 das Unternehmen. Er bekommt eine Abfindung von 60.000 €.
Sein ordentliches Jahresentgelt beträgt 70.000 €.

    • Versteuerung ohne §3 Abs. 63 (Satz 3):

Da in Deutschland ab 62.000 € ein Grenzsteuersatz von 42% vorherrscht, unterliegt die gesamte Abfindung diesem Satz.
Von den 60.000 € bleiben lediglich 34.800 € übrig.

    • Steuersparmodell durch §3 Abs. 63 (Satz 3):

(25 Jahre Zugehörigkeit => maximal 10 Jahre) x 3.408 € (4% BBG West) = 34.080 € maximale steuerfreie Einzahlung
Somit kann der Arbeitnehmer 34.080 € seiner Abfindung steuerfrei in eine betriebliche Vorsorge investieren. Die restlichen 25.920 € unterliegen den 42% Grenzsteuer. Es bleiben also 15.033€ übrig. 34.080 € + 15.033 € = 49.113 €.
Von den 60.000 € bleiben nun 49.113 € übrig.

Es wurden vorerst 15.033 € Steuerlast vermieden.

Durch eine Umwandlung der Abfindung in eine  betriebliche Vorsorge entstehen dem Arbeitnehmer also direkte Steuervorteile. Durch den i.d.R. hohen Steuersatz sind diese Vorteile gravierend. Sie vermindern sich jedoch zum Zeitpunkt des Zuflusses. Denn dann unterliegen die Bezüge der vollen Einkommensbesteuerung. Die nichtgezahlte Steuer ist auf die besagte Stundung durch das „Parken in einer betrieblichen Vorsorge“ zurückzuführen.
Entsprechend des Kapitalwahlrechts kann zum Renteneintritt zwischen 3 Alternativen entschieden werden:

  • Volle Verrentung des Kapitals
  • 30 % Kapitalentnahme und 70 % Verrentung
  • 100 % Kapitalentnahme

Entsprechend der Wahl des Bezugs des Kapitals und der Höhe der sonstigen Einkommen fällt die Besteuerung sehr individuell aus. Aus diesem Grund verzichten wir hier auf eine Berechnung. In den meisten Fällen jedoch bestehen im Rentenbezug deutlich geringere Ansprüche, als im Erwerbsleben. Der anfallende Steuersatz ist entsprechend geringer. Eine spätere Versteuerung des Kapitals, ob Rente oder gesamte Kapitalentnahme, ist also in nahezu jedem Falle von Mehrwert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Steuerreduzierung auch hier möglich ist. Wie groß der Nettoeffekt am Ende wirklich ist, ist höchst individuell und sollte von einem Fachmann berechnet werden.
In jedem Falle gilt es seine Einkünfte mit größtmöglichen Output zu gestalten.
Erfahrungen zeigen, dass es nicht an der Umsetzung sondern an der Kenntnis über solche Möglichkeiten mangelt.

¹ Die Berechnungen erfolgen vereinfachungshalber unter Auslassen der Fünftelregelung. Weiterhin bleibt die spätere Steuerzahlung unberücksichtigt, da diese von individuellen Faktoren abhängt und am wenigsten pauschalisiert werden kann.

https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__3.html

https://www.steuerschroeder.de/Steuerrechner/Einkommensteuer-Tabelle.html

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