Die Schwierigkeit bei der Behandlung dieser Frage liegt in der jeweiligen Ausgestaltung und dem zugrundeliegenden Aufbau eines Fondsportfolios. Durch den strategischen Portfolioaufbau können sowohl die jeweiligen Nachteile von aktiven wie auch von passiven Fonds geschwächt, sowie die Vorteile der jeweiligen Fonds gestärkt werden. So versuche ich hier möglichst wenig Brücken zur Portfoliokonstruktion zu schlagen und die rein technischen Vor- und Nachteile der Produktklassen zu beleuchten. Dabei zeige ich insbesondere auf, woran „gute“ und „schlechte“ Fonds wirklich zu bewerten sind.
Zunächst einmal die Basics:
Was sind aktiv verwaltete Fonds?
Aktiv verwaltete Fonds werden von professionellen Fondsmanagern betreut, die versuchen, den Markt zu schlagen, indem sie auf Basis von Analysen und Marktbeobachtungen gezielt in bestimmte Wertpapiere investieren. Das Ziel dieser Fonds besteht darin ein für den Anleger attraktives Chancen-Risiko Verhältnis beim Investieren zu ermöglichen.
Was sind passiv verwaltete Fonds?
Passiv verwaltete Fonds, wie z.B. Indexfonds oder ETFs, verfolgen das Ziel, die Performance eines bestimmten Marktindexes nachzubilden. Sie setzen auf eine breite Diversifikation und minimieren durch eine automatisierte Anlagestrategie die Kosten. Passiv verwaltete Fonds haben in den letzten Jahren aufgrund ihrer Einfachheit und Kosteneffizienz enorm an Beliebtheit gewonnen.
Kostenvergleich: Zu viel Beachtung
Ein nicht zu vernachlässigender Faktor bei der Wahl zwischen aktiven und passiven Fonds sind selbstverständlich die Kosten. Aktive Fonds erheben oft eine Managementgebühr von 1-2 %, während die Gebühren für passive Fonds häufig unter 0,5 % liegen. Insbesondere durch den Preiskampf der ETF-Anbieter ergeben sich hier wahre Schnäppchenprodukte. Die Ausgabeaufschläge von bis zu 5% pro Kauf (siehe Blogartikel: Anlageberatung: Wo verbergen sich Kosten?) wirken direkt auf die Rendite des Fonds. Dabei gilt: je länger ich den Fonds halte und nicht alle 3 Jahre umschichte, desto geringer der anfängliche 5 %ige Abzug von meiner Investition. Die Verwaltungskosten hingegen hingegen wirken nur indirekt auf die Rendite, da nicht definiert werden kann, welchen Mehr- oder Minderertrag diese aktive Verwaltung hervorgebracht hat. Darüber hinaus sind bei einer Rückbetrachtung einer Fondsrendite sämtliche Verwaltungskosten abgezogen worden. Das bedeutet, dass die einsehbaren Renditecharts von aktiven Investmentfonds bereits die Nettorendite abbilden und somit die Verwaltungskosten im Nachgang eine untergeordnete Rolle spielen. Wie der Mehr-/ Minderertrag und die Rechtfertigung angefallener Kosten bewertet werden können behandeln wir weiter unten im Artikel.
Was ist Outperformance?
Eine reine Bewertung nach der erwirtschafteten Rendite, wie sie gerne vorgenommen wird, greift deutlich zu kurz.
In der Welt der Kapitalanlage muss jeder Ertrag ins Verhältnis zu dem eingegangenen Risiko betrachtet werden, wobei das Risiko selber deutlich zwischen den Assetklassen divergiert. So gibt es bei dem Erwerb einer Immobilie zwar kein Emittentenrisiko, jedoch ein Lage- oder Objektrisiko. Glücklicherweise lassen sich die Risiken innerhalb einer Assetklasse (Siehe auch Blogartikel: Risikoebenen von Wertpapieranlagen) einfacher vergleichen als klassenübergreifend. Dies wäre dann ein aufwändiger Äpfel-Birnen-Vergleich.
Um in einem Vergleich also bewerten zu können, welcher Fonds „besser“ oder „schlechter“ ist, müssen beide Fonds ins Verhältnis zu Ihrem inneren Risiko gebracht werden. Hierbei gelten die Kriterien effizienter Portfolios. Diese lauten:
- Strenge Effizienz: Ein Portfolio ist streng effizient zu einem Vergleichsportfolio, wenn es bei weniger Risiko einen höheren Ertrag aufweist.
- Bsp. P2 streng effizient zu P1, P3, P4
- Schwache Effizienz: Ein Portfolio ist schwach effizient zu einem Vergleichsportfolio, wenn es bei gleichem Risiko einen höheren Ertrag, oder bei gleichem Ertrag ein geringeres Risiko aufweist
- Bsp. P1 zu P4 und P3 zu P4
- Keine Effizienz: Erreicht ein Portfolio einen Mehrertrag, bringt jedoch ein höheres Risiko mit, kann keine Aussage über die Effizienz getroffen werden.
- Bsp. P1 zu P3
- Ineffizienz: Ein Portfolio ist ineffizient zu einem Vergleichsportfolio, wenn bei höherem Risiko einen geringeren Ertrag aufweist.
- Bsp. P4 zu P2
In Bezug auf die Bewertung unserer Investmentfonds ist also zunächst eine Einordnung in das Gesamtfeld aller Fonds dieser Klasse vorzunehmen. Auch hier gilt: Kein Äpfel mit Birnen Vergleich! Also keinen aktiven EU Fonds mit einem MSCI US ETF vergleichen.
Durch die Betrachtung von Fonds innerhalb Ihrer Anlageklasse (Peergroup) bekommen wir ein Bild darüber, welche aktiven Investmentfonds durch den Managementprozess die Benchmark der jeweiligen Peergroup (Fadenkreuz) schlagen konnten. Oder zumindest, ob das Management zu einem geringeren Risiko bei gleichem Ertrag, respektive erhöhten Erträgen durch höhere eingegangene Risiken gelangen konnte.
Der bloße Vergleich von Ertragskennzahlen, also der Performance eines Portfolios ist lediglich eine Seite der Medaille. Entscheidend ist es an dieser Stelle einen Fonds nicht ins Verhältnis zum Vergleichsindex setzen, sondern is Verhältnis zur entsprechenden Risikoklasse von Fonds innerhalb der Peergroup. Dies entspricht der orangenen Diagonalen im oberen Diagramm. Fonds oberhalb dieser Linie weisen einen Mehrertrag relativ zu Ihrer Risikoklasse auf, während der Ertrag von Fonds unterhalb der Linie zu gering im Vergleich zum theoretisch erzielbaren Ertrag dieses Risikogrades ist.
Man kann lediglich einen Vergleich des Ertrages zweier Fonds vornehmen, welche das selbe Risiko inne haben, oder das Risiko zweier Fonds bewerten, welche den selben Ertrag erzielt haben. Hieraus ergibt sich eine Effizienzgrade, welches ein durchschnittliche Rendite-Risiko Verhältnis angibt.
Langfristige Performance: Was sagt die Statistik?
Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass die Mehrheit der aktiv verwalteten Fonds langfristig hinter ihrer Benchmark zurückbleibt. Dies ist vor allem auf die höheren Kosten und die Schwierigkeit zurückzuführen, den Markt konsistent zu schlagen. Statistiken deuten darauf hin, dass etwa 80 % der aktiven Fondsmanager über einen Zeitraum von 10 Jahren schlechter abschneiden als der Markt. Dem ist zwar so, doch wird in diesem Zusammenhang oft das Rendite-Risiko-Verhältnis vergessen, welches maßgeblich für die Einordnung dieser Aussagen ist.
Wenn ein aktiv gemanagter US Aktienfonds p.a. über 10 Jahre 6% Rendite bei einer Volatilität von 8% erreicht, ist er nicht schlechter als die Benchmark (Bsp. MSCI US Equity) die 8% Rendite p.a. bei 12% Volatilität erreicht hat. Zwar hat er renditetechnisch nicht den Index geschlagen, hat dem Anleger hingegen aber auch vor höheren Risiken behütet. Hier wurde das Augenmerk des Managements eben auf die Risikoreduktion und nicht auf die Ertragssteigerung gerichtet.
Hinweis:
Der Einfachheit halber haben wir in dieser Betrachtung das Risiko auf das Kursrisiko, also die schwankungsbreite um einen Mittelwert (Volatilität) begrenzt. Zum einen ist dies die treffendste Risikokennzahl für die Effizienz eines Wertpapierportfolios, zum anderen sind andere Risikoparameter (Max. Drawdown, Zulassungsentzugsrisiko, o.Ä.) keine stetig zu berechnenden Kennzahlen. In der Portfoliokonstruktion sollten selbstverständlich alle Risikoebenen berücksichtigt werden. (Mehr dazu im Blogartikel: Risikoebenen Wertpapieranlagen)
Fazit: Was nun mit dem Ganzen?
Vorweg erstmal: Egal ob passiv oder aktiv – investieren sie über Investmentfonds in den breiten Aktienmarkt und halten Sie die Anteile so lang es geht. Das sind 60% der Miete!
Die Entscheidung zwischen aktiven und passiven Fonds hängt grundsätzlich von der Fähigkeit des Managements ab Ihre Aufgaben zu erfüllen. Jemanden zu bezahlen, der mir keinen relativen Vorteil zu einem Indexfonds bietet ist gänzlich unsinnig. Auf der anderen Seite kann ein gut gemanagter Fonds ein attraktiveres Chancen-Risiko-Verhältnis bieten als ein reiner Index-ETF.
Für eine seriöse Bewertung sollte der Track-Record mindestens 5, besser 10 Jahre betragen. Natürlich ist der Blick in den Rückspiegel keine Gewähr für das was vor uns liegt, doch ist die Leistung eines Managers durchaus als stetig anzusehen. Untersuchungen hierzu zeigen die Mitnahme der Qualität eines Fonds durch den Wechsel eines Fondsmanagers.
Letztendlich gibt es keine pauschale Antwort auf die Frage, ob aktiv oder passiv die bessere Wahl ist. Fondsarten haben ihre Daseinsberechtigung.
Investoren gehen mit einem Investment in Indexfonds und ETF auf Nummer sicher und greifen statistisch gesehen mit höherer Wahrscheinlichkeit die Ihnen zustehende Marktrendite ab.


