Ein erfolgreiches Fondsportfolio beginnt mit der klaren Definition Ihrer persönlichen Anlageziele. Nur wenn Sie wissen, was Sie erreichen möchten und wie es um die Wahrscheinlichkeit der Verwirklichung dieser Ziele besteht, können Sie eine Investitionen optimal auf Ihre Lebenssituation abstimmen.
Warum klare Anlageziele entscheidend sind
Je konkreter Ihre Anlageziele definiert sind, desto besser lassen sich passende Investmentfonds als schlussendliches Produkt (Werkzeug) auswählen. Ob es um den langfristigen zeitlich undefinierten Aufbau eines Vermögens (bspw. Altersvorsorge oder Erbschaften an spätere Generationen) oder die Steuerrücklage für Ihr Unternehmen zum 01.06. des Folgejahres geht – jedes Ziel erfordert eine spezifische Eckdaten zum Zielwert, dem Zeitpunkt des Eintritts sowie die Wahrscheinlichkeit des Eintritts. Diese klaren Rahmenbedingungen definieren in weiterer Folge das Sortiment der in Frage kommenden Fondsarten und -kategorien.
Welche Determinanten definieren ein Anlageziel?
Die entscheidenden Faktoren, welche ich bereits erwähnte sind maßgeblich für die spätere Auswahl von Produkten, welche genau diesen Zielen dienlich sind. Die bestimmenden Determinanten haben wir in der Reihenfolge der Wichtigkeit geordnet. (Diese Reihenfolge ist das Resultat aus 10 Jahren Anlageberatung und Zielorientierung mit Kunden.)
Anlageziel definieren: Sehr offensichtlich sollten Sie wissen, welchen konkreten Zweck Ihre Investition erfüllen soll. Ob Altersvorsorge, temporäre Geldanlage oder kurzfristige Liquidität – aus dem „Titel“ lassen sich weitere Eigenschaften ableiten.
Zeithorizont: Bestimmen Sie, bis zu welchem Zeitpunkt sie Ihr Ziel erreicht haben wollen oder über welchen Zeitraum hinweg Sie auf Ihre Mittel verzichten können und wollen. Ob Zeitpunkt oder Zeitraum, es ist völlig logisch, dass die Genauigkeit des Eintrittszeitpunktes mit Zunahme der zeitlichen Länge abnimmt.
Absolute Eintrittswahrscheinlichkeit: Überlegen Sie, wie hoch die Wahrscheinlichkeit des Eintritts ist. Finanzielle Zielgrößen, bei welchen die Eintrittswahrscheinlichkeit entweder 0 oder 1 sein kann, können evtl. besser über Versicherungen abgebildet werden. Privatpersonen welche bspw. das rein finanzielle Ziel haben in jeder Lebensphase genug Geld für eine optimale ärztliche Versorgung zu haben, sollten sich definitiv mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis einer privaten Kranken(-zusatz)-Versorgung auseinandersetzen.
Bei finanziellen Eventualitäten ergibt es Sinn sich über den frühsten sowie spätesten Eintrittszeitpunkt anzunähern. (So kann die Bestattungsvorsorge für den Lebenspartner bedingen am morgigen Tage (Gott bewahre!) fix zur Verfügung zu haben, jedoch aber auch erst in 30 Jahren. – Ein klassischer Fall für Liquiditätsmanagement und Ersparnis einer Versicherung)Relative Eintrittswahrscheinlichkeit: Die relative Wahrscheinlichkeit für den Eintritt des Anlageziels kann sich auf den eigentlichen Eintritt, wie auch auf den Zeitpunkt beziehen. Da die Überlegung der relativen Eintrittswahrscheinlichkeit tendenziell mit der des absoluten Eintritts eines Ereignisses abgegolten ist, bezieht sich diese Überlegung eher auf den Zeitpunkt des Eintritts. Eine Immobilie bspw. ist für viele Menschen ein klares Lebensziel. Trotz fixer Planung der Finanzierung einer Immobilie in x Jahren, können diverse Situationen dazu führen, dass sich das Ziel um mehrere Jahre verschiebt. Von vorn hinein zu wissen, dass ein Ziel eine unsichere Eintrittswahrscheinlichkeit in x Jahren hat, erweitert oft den Spielraum für geeignete Fonds und bietet versteckte Möglichkeiten für Liquiditätsmanagement.
Flexibilität des Anlageziels: Anlageziele welche meist einen privaten Wunsch oder oder ein Hobby widerspiegeln, unterliegen meist einer grundsätzlichen Flexibilität. Es sind Ziele, welcher sowohl absolut wie auch zeitlich relativ ungewiss im Eintritt sind. Der Wunsch einer Ferienwohnung auf Mallorca oder einer moderneren Maschine im Werk, obwohl die aktuelle Maschine noch tadellos funktioniert. Solche Ziele lassen sich bei Bedarf aus einer Mischung aus konkreter Investition sowie einer evtl. Verfügbarkeit undefinierter Mittel realisieren.
Das Liquiditätsmanagement
Das berühmte „Magische Dreieck der Geldanlage“ besagt, dass von den 3 Hauptzielen Ertrag, Sicherheit und Liquidität niemals alle 3 erreicht werden können. Sprich es gibt keine Geldanlage, welche einen guten Ertrag bei gleichzeitig 100 prozentiger Liquidität sowie hoher Sicherheit garantiert.
Im Kontext der modernen Portfoliokonstruktion gibt es jedoch die beiden Pole Ertrag sowie Sicherheit/Liquidität als bestimmende Stellschrauben. Der Ertrag wird über ein renditebringendes Asset erzielt (Hier liegt die Wahl klar bei dem am höchsten rentierenden Asset – der Aktie als Unternehmensbeteiligung), während die Liquidität und die Sicherheit über ein Asset abgebildet wird, welches jederzeit ohne Verluste zur Verfügung steht. Dies ist in der Regel eine Festzinsanlage ohne Emittenten- und Zinsrisiko – meist also ultrakurzlaufende Anleihen. Fachlich spricht man von der risikobehafteten sowie risikofreien Komponente eines Portfolios.
Das Liquiditätsmanagement beschreibt die Steuerung dieser beiden Komponenten in Relation zum Gesamtportfolio. Ein Konsumziel, welches mit einhundert prozentiger Wahrscheinlichkeit in 6 Monaten eintritt (Kauf einer Harley Davidson zum Saisonbeginn) kann logischerweise maximal über einen sehr kurzfristigen und hochliquiden Investmentfonds abgebildet werden, wohingegen die Altersvorsorge über einen illiquiden und „unsicheren“ (temporär schwankende) Fonds angegangen werden kann.
Je konkreter ein Anlageziel definiert werden kann, desto genauer lässt sich ein Fondsportfolio zusammenstellen, welches das Maximum aus allen 3 Anlagezielen herausholt. Bspw. zum Zeitpunkt X 100% des eingesetzten Kapitals zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig das maximale an Ertrag innerhalb des Zeitraums erzielt zu haben.
Ziele, welche in Ihrem absoluten sowie relativen Eintritt ungewiss sind, können sowohl über den sicheren und liquiden als auch über einen risiko- und ertragreichen Weg umgesetzt werden. Entscheidend sind hier zumeist der frühste sowie der späteste Eintrittszeitpunkt des Ziels, oder eben der Erwartungswert. Die Abwägung darüber wird dabei maßgeblich von der eigenen Risikobereitschaft bestimmt.
Risikobereitschaft
Zunächst einmal wird die Bereitschaft Risiken zu verkraften oftmals überschätzt. Grundsätzlich gehen Privatanleger höhere Risiken ein, als es Ihre Anlageziele zulassen. Fehleingeschätzt wird hierbei meistens die geplante Verfügbarkeit der Mittel. Langfristige Investoren sind erfahrungsgemäß mehr Risiken zu verkraften bereit als Investoren, welche den Zeithorizont ihrer Geldanlage nie wirklich bestimmt haben. Ein „Vielleicht will ich da im nächsten Jahr für meine Dachsanierung heran.“-ETF-Anleger, wird bei seinem MSCI World definitiv die Reißleine ziehen, sobald dieser 10% unter Wasser ist.
Da die Risikobereitschaft ein separates Thema wert ist, verweisen wir auf unseren Artikel dazu aus 2024: Kennen Sie Ihre Risikotragfähigkeit?
Umsetzung in ein Fondsportfolio
Nach der Definition Ihrer Anlageziele welche nicht zuletzt durch Ihre persönliche Risikomentalität bestimmt werden, kann die Auswahl geeigneter Fonds erfolgen. Hierbei ist es selbstredend wichtig mit den Arten und Eigenschaften von Wertpapieren und deren Verpackungen (Offene und Geschlossene Investmentfonds) vertraut zu sein. Die Komplexität verschiedener Anlagestrategien aktiver oder passiver Investmentfonds kann unmöglich in einem einzelnen Blogbeitrag bearbeitet werden. Aus diesem Grund arbeiten wir aktuell an unserem Handbuch „Der Fondsnavigator – Grundlagen des fundamentalen Portfoliomanagements für professionelle Anleger und Vermögensberater.“
Regelmäßige Überprüfung und Anpassung
Ihre Lebensumstände und finanziellen Ziele können sich im Laufe der Zeit ändern. Daher ist es essenziell, Ihre Ziele regelmäßig zu überprüfen und das einmal erstellte Fondsportfolio gegebenenfalls anzupassen. Durch eine kluge Auswahl von Fonds lassen sich jährlich steuerfreie Gewinnrealisierungen ohne Abweichung vom Ursprungsportfolio erzielen oder kostenfrei die Allokation zwischen den Asset- und Risikoklassen ändern. Vor einer kontinuierliche Anpassung sollten Anleger keineswegs Angst haben. Vielmehr erhoffe ich mir ein breiteres Verständnis für Investmentfonds und Freude bei der wiederkehrenden Auseinandersetzung mit dem eigen Fondsdepot.
Eine kontinuierliche Betreuung kann ebenfalls durch einen erfahrenen Vermögensberater erfolgen. Hierbei ist auf eine interessengleiche Kostenausrichtung zu achten. Ihr Berater sollte lediglich über ein Serviceentgelt vergütet werden, anstatt über Produktprovisionen. Artikelempfehlung: Serviceentgelt – Vergütungsmodell der Zukunft?
Fazit:
Durch die sorgfältige Definition Ihrer Anlageziele und die Berücksichtigung Ihrer individuellen Risikobereitschaft legen Sie den Grundstein für ein erfolgreiches Fondsportfolio, das optimal auf Ihre persönliche Lebenssituation abgestimmt ist. Das Ummünzen in ein professionelles Fondsportfolio ist ein Schritt, welchen wir in kommenden Artikeln und unserem Buch behandeln werden.


