Die Wahrnehmung von Informationen im menschlichen Gehirn ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Einflussfaktoren geprägt wird. Diese Faktoren können die Art und Weise, wie Informationen aufgenommen, verarbeitet und letztendlich in Entscheidungen umgewandelt werden, erheblich beeinflussen. Insbesondere bei Investitionsentscheidungen kann die falsche oder richtige Wahrnehmung neuer Informationen einen monetären Impact haben. Im Folgenden analysieren wir vier der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Informationswahrnnnehmung: Der Darstellungseffekt, die selektive Wahrnehmung, der Herdentrieb und der Framing-Effekt.
Der Darstellungseffekt
Der Darstellungseffekt bezieht sich auf die Art und Weise, wie Informationen präsentiert werden und wie dies die Entscheidungsfindung beeinflusst. Eine Studie der Goethe University Frankfurt hat gezeigt, dass verschiedene Präsentationsformate der gleichen Informationen unterschiedliche Entscheidungen hervorrufen können. Insbesondere beeinflussen Präsentationsdetails wie das Hervorheben von Gewinnen gegenüber Verlusten die Risikobereitschaft der Investoren. Beispielsweise neigen weibliche Investoren zu weniger risikoreichen Entscheidungen, wenn die möglichen Verluste nicht betont werden. Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen, dass sowohl die Art der Präsentation als auch persönliche Merkmale und Präferenzen die Einheitlichkeit und Qualität der Entscheidungen beeinflussen. Ein besseres Finanzwissen aber auch Kenntnisse und Erfahrung im Umgang mit Statistiken sowie Aufarbeitungen und Darstellungen von Daten verbessern die Konsistenz der Entscheidungen und damit die Entscheidungsqualität. Eine einheitliche Entscheidung gemäß eines rationalen Entscheidungsträgers liegt vor, wenn sich diese nicht durch die unterschiedliche Darstellung ändert. Interessanterweise wählen Investoren risikoreichere Anlagen, wenn das mögliche Ergebnis als Betrag in Euro statt als Prozentsatz der Rendite dargestellt wird, insbesondere wenn das Verlustpotential nicht betont wird.
Die selektive Wahrnehmung
Die selektive Wahrnehmung ist eine kognitive Heuristik, bei der Menschen nur bestimmte Informationen bewusst wahrnehmen, während andere ausgeblendet werden. Dieser Prozess erfolgt oft unbewusst und wird durch persönliche Erfahrungen und Präferenzen beeinflusst. Ein Anleger, der positive Erfahrungen mit einem bestimmten Sektor gemacht hat, wird eher Informationen wahrnehmen, die diesen Sektor betreffen. Dies kann zu Fehleinschätzungen führen, da wichtige Informationen möglicherweise ignoriert werden. Beispielsweise könnte ein Anleger, der zuvor regelmäßig Auszahlungen mit Dividendentiteln erzielt hat, bevorzugt neue Informationen über Dividendenaktien wahrnehmen und andere Branchen vernachlässigen. Historisch wurde durch dieses Beispiel von vielen Dividendeninvestoren das Wachstum von Growth-Unternehmen verpasst. Ein weiteres Merkmal der selektiven Wahrnehmung ist das Herausfiltern von Informationen, die den eigenen Zielen und Wünschen entsprechen. Dieser weitgehend unbewusste Prozess führt dazu, dass Informationen, die nicht mit der eigenen Sichtweise übereinstimmen, vernachlässigt werden. Somit beeinträchtigt die selektive Wahrnehmung die Objektivität bei der Bewertung neuer Informationen erheblich.
Der Herdentrieb
Der Herdentrieb ist ein emotionaler Einflussfaktor, bei dem Menschen dazu neigen, das Verhalten und die Meinungen einer Gruppe zu übernehmen. Dies geschieht oft in Unsicherheitsphasen, wie beispielsweise während der COVID-19-Pandemie, als viele Anleger panikartig Aktien verkauften. Der Einfluss von Finanz-Influencern (Finfluencern) verstärkt diesen Effekt, da viele Menschen deren Verhalten nachahmen. (Ganz abgesehen davon, dass sich solche Personen in rechtlichen dunkelgrauzonen bewegen, da hier teilweise ganze Anlageempfehlungen ohne jegliche Beraterzulassungen ausgesprochen werden.)
Dies führt zu einem oft irrationalen Verhalten, das auf der Annahme beruht, dass die Masse nicht falsch liegen kann. Ein aktuelles Beispiel ist der Börsencrash im Februar und März 2020, bei dem die breite Masse der Privatanleger in Panik verfiel und Aktien verkaufte. Untersuchungen an der TU Dortmund zeigten, dass Nachrichten und Finanznachrichten während dieser Zeit eine signifikant negative Auswirkung auf die Anlegererwartungen hatten. Ein Portfolio, das auf Grundlage aktueller Finanznachrichten kontinuierlich angepasst wurde, schnitt schlechter ab als ein statisches Buy-and-Hold-Portfolio. Der Herdentrieb kann daher zu erheblichen Marktverzerrungen und erhöhten Volatilitäten führen.
Der Framing-Effekt
Der Framing-Effekt beschreibt, wie die Formulierung und der Kontext von Informationen die Entscheidungsfindung beeinflussen. Tversky und Kahneman haben gezeigt, dass Menschen eher risikoaverse Entscheidungen treffen, wenn ein Ergebnis positiv dargestellt wird. Umgekehrt sind sie risikobereiter, wenn die gleiche Information negativ präsentiert wird. Ein Anlageberater kann diese Technik nutzen, um die Wahrnehmung eines Investments zu steuern, indem er entweder die potenziellen Gewinne oder Verluste hervorhebt. Beispielsweise könnte ein Berater einem Kunden die Kursentwicklung eines Wertpapiers nur für einen Zeitraum zeigen, in dem die Kurse gestiegen sind, um eine Investition zu fördern. Die Umformulierung eines Sachverhalts in einen positiven oder negativen Rahmen lenkt die Entscheidungsfindung in eine gewünschte Richtung. Dies beeinflusst die Risikobereitschaft und kann dazu führen, dass Anleger eine alternative Bewertung der gleichen Informationen vornehmen. Ein Beispiel dafür ist die unterschiedliche Darstellung eines Investments, das entweder auf die positiven Erträge oder die Verluste fokussiert, je nach Zielsetzung des Beraters. Der Framing-Effekt verdeutlicht, wie wichtig das Verständnis gewisser Grundgesetze des Kapitalmarktes sind. Anleger mit mangelndem Wissen und Kenntnissen lassen sich von irreführenden Framings leichter zu suboptimalen Entscheidungen verleiten.


