Rekord-Höchststände: Jetzt noch investieren?

Bild eines Bullen vor dem Abgrund
KI-generiert mit DALL-E
Ganz grundsätzlich und insbesondere in den letzten Monaten, in welchen sich die Höchststände der Indizes regelrecht überschlagen, stellt sich die Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Investieren? Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung des Markttimings und bietet praktische Strategien, um den optimalen Moment für Ihre Investitionen zu finden.

Auf dem Herzen jedes angehenden Investors liegt eine zentrale Frage, die augenscheinlich den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg bestimmt: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Investieren? Diese Frage ist besonders bedeutend, wenn die Emotionen Gier, Euphorie, FOMO oder Angst den Anleger zu falschen Entscheidungen verleiten. Vor dem Hintergrund der sich überschlagenden Höchststände ist unser Verständnis für sämtliche Gefühle der Anlegerschaft vorhanden. Am 14. März knackte der Dax das erste mal die 18.000 Punkte Marke. Auch der amerikanische S&P 500 kann die 5.000 Marke seit März 2024 verteidigen. Nach einer fulminanten Rellay seit Jahresanfang (+20%) erreichte der japanische Nikkei 225 ebenfalls erstmals die 40.000 Punkte, erlitt anschließend jedoch einen 4% Rücksetzer.

Chart des DAX, S&P500 & Nikkei225
Der Chart zeigt drei ETFs auf die Leitindizes DAX, S&P500 und Nikkei225

Die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt is keineswegs trivial und auch ein Blick in die Historie zeigt, dass insbesondere die Markteinbrüche und Erholungsphasen verhältnismäßig rasant verliefen.

Wie wahrscheinlich ist der Kauf im Tiefpunkt und Verkauf im Hochpunkt?

Untersuchungen fanden heraus, dass die Zeitfenster eines Markteinbruchs i.d.R. von solch kurzer Dauer waren, dass eine gezielte Investition, insbesondere infolge überhitzter Emotionen und Gemüter äußerst schwierig ist. Selbst vollkommen rationale Anleger, welche heutzutage in Form von auf Algorithmen gestützte Programme an der Börse handeln, sowie gut informierte Anleger konnten in der Vergangenheit nur schwer zum richtigen Zeitpunkt investieren. Nebst Einstiegszeitpunkt birgt der Verkaufszeitpunkt eine noch größere Herausforderung. Ein Verkauf auf dem Peak ist nahezu unmöglich, wie Untersuchungen zeigten.
Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass durch eine verzögerte Erstinvestition wertvolle Tage mit hohen Erträgen verpasst werden. Studien fanden heraus, dass sich der kumulierte Ertrag einer Anlage auf wenige Tage des investiert Seins zurückführen lässt. So machten beispielsweise die 50 besten (ertragreichsten) Tage innerhalb eines Investitionszeitraums von 40 Jahren ganze 95% des Wertzuwachses aus. Weiterhin schmälert sich die durchschnittliche jährliche Rendite einer Anlage in den S&P500 von 9,52% auf 5,33%, sollte der Anleger allein die renditestärksten 10 Tage verpassen.
Unter professionellen Anlegern ist das Sprichwort „Time in the market, instead of timing the market“ ein verinnerlichtes Credo. Sämtliche Studien darauf hin, dass es von oberster Bedeutung ist frühzeitig zu investieren, statt einen vermeintlich optimalen Zeitpunkt abzuwarten.

Chart mit: Rendite einer Startinvestition, bei Verpassen der höchsten Ertragstage
Quelle: JP Morgen Asset Management: Die Zahlen basieren auf den Renditen des S&P500 Index. Datenzeitpunkt: 31.01.2022

Eine weitere Erkenntnis, welche Aufschluss über die Wahrscheinlichkeit eines guten Kauf- oder Verkaufszeitpunkt gibt, sind die historischen Jahresprognosen ausgewiesener DAX-Spezialisten.
Der folgende Chart zeigt rote, wie blaue Dreiecke, welche von Beginn an eines jeden Jahres auf den erwarteten Endstand zum Ablauf selbigen Jahres zeigen. Eine Mehrrendite des DAX ggü. den Prognosen ist durch die Länge der vertikale Seite der blauen Dreiecke erkennbar. Eine Minderrendite ist erkennbar durch die Länge der vertikalen Seite aller roter Dreiecke.
Auffällig bei dieser Untersuchung ist, dass die Aufwärtsbewegungen nahezu immer unterschätzt wurden, während die Abwärtsbewegungen in keinem der 22 Jahre vorhergesagt wurden.

 

Was tun wir nun mit den Erkenntnissen, dass eine Investition im Tiefpunkt nahezu unmöglich ist, dass man durch Warten auf den richtigen Einstieg, evtl. die wertvollsten Tage verpassen könnte sowie, dass aktuelle Höchststände kein Zeichen für eine Korrektur sein müssen?

4 Tipps für Anleger:

1. Seien Sie voll investiert: Das Zurückhalten eines Teilbetrages Ihres Geldes, um es beim Markteinbruch günstig zu investieren, führt i.d.R. dazu, dass die hierdurch entstehende Minderrendite den späteren evtl. Mehrertrag aufwiegt. Ebenfalls ist zu bedenken, dass jede Timing-Chance zwangsläufig ein Timing-Risiko mit sich bringt.

2. „Zeitraum schlägt Zeitpunkt“: Sollten Sie Ihre optimale Allokation gefunden und die Erstinvestition getätigt haben, bleiben Sie investiert. Nahezu alle Recherchen zeigen, dass der Schlüssel zum Erfolg in der Anlagedauer und nicht dem Anlagezeitpunkt liegt.

3. Ratierliche Geldanlage: Um innerhalb seiner Anlagen eine Glättung der Kaufkurse hin zum Median zu erreichen, hilft die wiederkehrende Anlage. Durch monatliche oder quartalsweise Investitionen entsteht der sog. Kostendurchschnittseffekt, welcher das Timingrisiko minimiert. Insbesondere in Zeiten überhitzter Märkte und kontinuierlicher Höchststände ergibt es Sinn Anfangsinvestitionen zu teilen und über 6-18 Monate (je nach Präferenz und Anlageziel) zu investieren. Verschiedene Depotbanken bieten hierzu sog. „Quellpläne“ an, bei welchen die Investition zunächst in einem sicheren Hafen angelegt wird und dann über einen Zeitraum X in die eigentliche (risikoreiche) Anlage umgeschichtet wird.

4. Prüfen Sie Ihre Höchststände: Unweigerlich entsteht in einem diversifizierten Portfolio eine Abweichung der Rendite einzelner Anlagen. Es sollte in definierten Abstände eine Überprüfung der Gewichtung und ggf. ein Rebalancing stattfinden. Hierdurch minimieren wir kontinuierlich das Portfolio-Risiken entsprechend der Ursprungsstrategie. (Siehe Blogbeitrag)

Fazit:

Abschließend bleibt zusammenzufassen, dass der richtige Zeitpunkt für eine Investition illusorisch ist. Auch wenn es Anlegern gelang zu einem glücklichen Zeitpunkt von Tiefständen investiert zu haben, so bleiben dies eher die Ausnahmen. Stattdessen sollten sich Anleger an fundamentale Anlageprinzipien halten, welchen auf empirischen Untersuchungen erfolgsmaximierender Strategien fußen.
Für uns als Anlageberater haben die jeweiligen wirtschaftlichen und politischen Marktphasen selbstverständlich einen Einfluss auf die Auswahl der Investments, nicht jedoch auf den Zeitpunkt dieser.

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